Tag 8 & 9 – Welcome to Georgia

NEEEIIIINNNN !!!!!! Claudius hat soeben den fast fertigen Bericht versehentlich gelöscht – jetzt schreibt er ihn halt noch mal 🙁 Noch so ein Ding und wir verschicken den Newsletter handgeschrieben mit der Post 🙂

Tag 8

An diesem Morgen kommen wir erst um 11:30 Uhr vom Hotel los. Das Schreiben des letzten Berichtes hat viel Zeit in Anspruch genommen. Es ist doch aufwÀndiger als man denkt mit dem Rekapitulieren, Formulieren, Korrekturlesen, Formatieren, Fotos sichten 
.und und und und. Aber der Aufwand scheint sich zu lohnen, denn zunehmend bekommen wir mit, dass sich viele auf unseren Bericht freuen und die Art und Weise Der Berichterstattung gut finden. Danke!

Nachdem der Bericht online gegangen ist, mussten wir noch das Visum fĂŒr Aserbeidschan online beantragen. Das hört sich einfacher an, als es ist. So muss man seinen Pass abfotografieren und im richtigen DateiFormat und GrĂ¶ĂŸe einfĂŒgen. Die persönlichen Angaben sind in die nötigen Formulare einzufĂŒllen. Auch das bezahlen hört sich mit der Visakarte leichter an als es ist. Gut, dass Philip auf dem Laptop noch flinker ist, als mit dem Mundwerk.

Dann gab es eine erste Inspektion von Philips Maschine. Das gute StĂŒck ist Gott sei dank trocken geblieben, das Öl bleibt erstmal da wo es hingehört.

Vor uns lag eine Distanz von circa 200 km bis zur georgischen Grenze. Auf der Fahrt gingen uns natĂŒrlich die wildesten Fantasien bezĂŒglich der GrenzformalitĂ€ten durch den Kopf. WĂŒrde es wieder einfach werden, wie an der Grenze zur TĂŒrkei, oder stehen wir stundenlang im Stau vor der Grenze und mĂŒssen uns mit unfreundlichen Zöllner rumschlagen!? Irgendwie fĂ€hrt unterschwellig doch immer bei GrenzĂŒbertritten ein ungutes GefĂŒhl mit. Den unangenehmsten hatten wir wohl vor einigen Jahren in der Ukraine, hier wurden wir ziemlich auf links gekrempelt.

Wie auch in den Tagen zuvor, wurden wir auch auf dieser Etappe mehrmals von unseren Freunden von der „POLISI“ angehalten. Von Weitem erkennt man schon die Verkehrskegel, die die Straße auf eine Spur verengen. Am Ende steht ein MĂ€nnchen in gelber Warnkleidung und daneben eine Knastkutsche mit laufendem „Blaulicht“, welches hier aber in weiß, rot und blau leuchtet. Angriff ist die beste Verteidigung – deshalb plappert Claudius, der meist als erster fĂ€hrt, in ungebremster Charmoffensive drauf los: „Hello, we are from Germany/Alemania -going to Sydney/Australia.“ Das GesprĂ€ch lĂ€uft dann mehr oder minder immer nach dem gleichen System ab. Polizist: „Sydney??? Long way !!!! Passport + License please!“ Wir klopfen dann immer nur auf unsere Koffer und sagen: Yes, in there! Man darf nur keine AktivitĂ€ten entwickeln, die Dinger rauszuholen. Denn das wĂŒrde die Prozedur nur verlĂ€ngern. Bisher haben sich die Jungs immer damit zufrieden gegeben. Nachdem die ersten FormalitĂ€ten geklĂ€rt sind, packen viele der gelben MĂ€nnchen ihre Deutschkenntnisse aus: „Gutes Fahrt“ oder „Tag schön noch“ prĂ€sentieren sie ihr Können grinsend. Der Knaller war ein Polizist, der Philip beim Abfahren aus 10 m hinterher rief: „Ich liebe dich!“ die Jungs sind uns wirklich ans Herz gewachsen und immer eine nette Abwechslung im Fahralltag. Fast freuen wir uns schon auf diese Kontrollen.

Philip war an diesem Tag offensichtlich gut fĂŒr Knaller: An einer roten Ampel wurde er aus einem Auto heraus auf Deutsch angesprochen. Es entwickelte sich ein kurzes GesprĂ€ch. Zum Ende der Ampelphase fragte Philip den Fahrer dann, woher er denn so gut Deutsch könne? Antwort: „Ich bin Deutscher! Philip peinlich berĂŒhrt zurĂŒck: „Ach ja, das erklĂ€rt einiges! „Über die Helm Kommunikation bekommt man solche GesprĂ€che ja gut mit und Claudius liefen schon die TrĂ€nen runter. Bei einem anschließenden Mittagessen bei McDonald’s wurde „Ich liebe dich“ und „Ich bin Deutscher!“ nochmal ausfĂŒhrlich belacht – ganz großer  Spaß!

Auf den letzten 50 km vor der Grenze wurde der Verkehr sehr dĂŒnn. Ab und zu gab es große ParkplĂ€tze mit LKWs, die wohl deutlich vor der Grenze auf Abfertigung warteten. Einige Kilometer vor der Grenze begann dann die obligatorische kilometerlange LKW Schlange. Es war gut zu wissen, dass die Jungs nun hinter einem waren.

Bei der Ausreise aus der TĂŒrkei kamen wir mit den Leuten hinter uns ins GesprĂ€ch. Claudius sprach sie an, weil sie gemĂ€ĂŸ Nummernschild aus Aserbaidschan waren und unsere Einreise nach Aserbaidschan mit den MotorrĂ€dern ja noch unsere offene Flanke ist. Sie bestĂ€tigten uns mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen und unserem ÜbersetzungsgerĂ€t, dass die Landesgrenzen weiterhin wegen COVID geschlossen sind. Wir hĂ€tten die Möglichkeit, die MotorrĂ€der auf LKWs zu verladen und mĂŒssten dann selbst von Tiflis in Georgien nach Baku in Aserbaidschan fliegen. Dank Claudius‘ Freund Andreas und unserem Bekannten JĂŒrgen, der wegen seiner zahlreichen Motorradreisen nach Russland und in den ganzen wilden Osten auch „Juri“ genannt wird, haben wir Kontakte und Speditionen benannt bekommen, die unsere MotorrĂ€der vielleicht transportieren können. Den ganz genauen Plan mĂŒssen wir uns jetzt erarbeiten. Gott sei Dank gibt es E-Mail und Internet!

Die Abfertigung in der TĂŒrkei kam dann etwas ins Stocken, weil Claudius noch AutobahngebĂŒhren in Höhe von circa 40 € nachzahlen musste. Weiß der Teufel, wo die uns erwischt haben und warum Philip nichts auf dem Kerbholz hatte. selbst der Zöllner amĂŒsiert sich prĂ€chtig, dass nur einer von uns bei gleiche Route die  A-Karte gezogen hat.  Auf jeden Fall wurde Claudius locker eine halbe Stunde von Pontius zu Pilatus geschickt: Erst zum Cash-Office. Dort konnte man allerdings nicht mit Karte zahlen, das KartenlesegerĂ€t war kaputt. Dann ging es zum Amtszimmer 3. Claudius erklĂ€rte mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen das Zahlungsproblem. Antwort: Speak Turkish! Wie witzig!!! Auch am Amtszimmer 4 war er nicht erfolgreicher, aber zumindest war sein GegenĂŒber sehr freundlich. Dann erbarmte sich ein junger Zöllner auf Englisch und brachte Claudius auf die andere Seite der Abfertigung zu einem Geldautomaten. Dann wieder zurĂŒck zum Cash-Office – Geld eingezahlt,  fertig! Das alles war kein Spaß bei der WĂ€rme in kompletten Motorradklamotten! Aber – wer die Zeche prellt, muss eben leiden 😉

Die Einreise nach Georgien ging relativ zĂŒgig. Wir mussten einmal unsere Koffer öffnen, dann wurden wir schon zur Passkontrolle weitergeleitet. Auch da ging es sehr zĂŒgig und freundlich von statten. Hoffen wir mal, dass alle GrenzĂŒbertritte so problemlos bleiben…

Direkt hinter der Grenze kamen sofort diverse Nepper, Schlepper und BauernfĂ€nger auf uns zu und wollten Taxifahrten anbieten, Geld wechseln oder Versicherungen verkaufen. TatsĂ€chlich haben wir dann erstmal die tĂŒrkischen Lira in LandeswĂ€hrung Lari (GEL) gewechselt. Der Kurs war natĂŒrlich eine Katastrophe, aber diskutieren hilft da nichts, oder man hat keinen Nerv darauf in der Situation und wir wollen am Ende der Reise auch nicht Restgeld in 5 verschiedenen WĂ€hrungen haben. Eine Versicherung war aber wichtig, weil unsere deutsche Versicherung hier im wilden Osten keine Deckung mehr gibt und selbst wenn sie es tĂ€te, es obligatorisch ist eine zu kaufen. Kurzerhand wurde hier auch noch ĂŒber das Handy ein Hotel fĂŒr die Nacht gebucht. Dann kurz noch E-Mails checken und das Handy ausschalten, weil unsere deutscher Tarif hier uns schneller verarmen ließe, als man es sich vorstellen kann. Deshalb steht in Batumi auch eine hiesige SIM-Karte ganz oben auf der Shoppingliste.

Die kurze Fahrt von 16 km nach Batumi war spannend. Kaum ein paar Kilometer hinter der Grenze, war alles anders als in der TĂŒrkei. Alles war etwas grĂŒner, die GebĂ€ude waren in einem ganz anderen Stil und alles schien etwas belebter und freundlicher. Auch der Verkehr war nicht mehr so offensiv drĂ€ngelig. Verkehrsregeln gibt es auch hier eher nur auf dem Papier. Aber man fuhr ganz entspannt, wenn Platz war. Ohne Hupen und ohne drĂ€ngeln wurschteln sich alle durch. Auf den Straßen befinden sich Unmengen an KĂŒhen, Schweinen und anderen Viehzeugs – sogar fast bis ins Stadtzentrum.

In Batumi angekommen, bezogen wir unser Familienzimmer im „Surf-Hostel“ (Ohne Tageslicht, aber mit Fenstern, die zu einem 30 cm tiefen Zwischenraum fĂŒhrten, ĂŒber den irgendwie Frischluft dort hinkam). Die MotorrĂ€der konnten wir sicher im Innenhof parken. MĂŒde schleppen wir uns noch zu einem Restaurant, um was zu essen. Schließlich hatten wir nach unserem kargen FrĂŒhstĂŒck fast nichts mehr gegessen. Dort war es sehr lecker. Bei Claudius war es schön scharf. Und bei Philip gab es viel zu viel von dem ihm verhassten Koriander. Claudius aber liebt das Zeug.

Ach ĂŒbrigebns, das ist auch wichtig: Batumi ist+2 MESZ

Claudius beim FrĂŒhstĂŒck in Mestia

Tag 9

Am nĂ€chsten Morgen standen wir wieder um 7:00 Uhr auf, um möglichst schnell das Thema mit den SIM-Karten abzuarbeiten. Diese kosteten uns 7 Dollar pro StĂŒck (FĂŒr eine Woche unbegrenztes Datenvolumen). FrĂŒhstĂŒck gab es im Hostel nicht, und weit und breit hatte noch kein GeschĂ€ft geöffnet. Nur in einem winzigen sogenannten „Market“ konnten wir sĂŒĂŸ gefĂŒllte BlĂ€tterteigtaschen  erstehen. Dank unserer CampingausrĂŒstung konnten wir uns dann Kaffee in der GemeinschaftskĂŒche des Hostels machen.

Batumi und Georgien gefielen uns im Ganzen besser als die TĂŒrkei. Es war stĂ€dtischer, belebter, freundlicher und gelassener. Außerdem können wir wieder durchschlafen, ohne stĂ€ndig vom Muezzin wachgeschallt zu werden! ErwĂ€hnenswert ist auch die georgische Schrift. Sie hat nichts mit unserer lateinischen oder mit der kyrillischen Schrift zu tun. Claudius hat sie Schlangenschrift getauft. (Foto)

Nun saßen wir endlich wieder auf den MotorrĂ€dern und es ging Richtung Mestia im großen Kaukasus, das wegen seiner hunderte Jahre alten WehrtĂŒrme UNESCO Weltkulturerbe ist. Fast jede Familie hatte so einen aus Naturstein gemauerten Turm, in den sie sich zurĂŒckziehen konnten, wenn unten durch Angreifer Gefahr drohte.

Die Fahrt nach Mestia war großartig und bisher unser Highlight. ZunĂ€chst ging es ĂŒber kleine geschwungene Straßen durch kleine Dörfer, ĂŒber FlĂŒsse und im Slalom um unzĂ€hlige KĂŒhe, GĂ€nse, Hunde, Pferde, Schweine und was auch noch fĂŒr Viehzeug und deren Hinterlassenschaften. Da passten die beiden Affen auf zwei MotorrĂ€dern gut in die Szenerie. Am Horizont kamen die schneebedeckten Berge des großen Kaukasus immer nĂ€her und unsere Vorfreude wuchs von Kilometer zu Kilometer.

An einer Tankstelle bekamen wir per E-Mail  das erste Angebot fĂŒr den Transport der MotorrĂ€der von Georgien nach Aserbaidschan – 250 $ pro Motorrad. Außerdem schrieb uns die Vertretung der deutschen Handelskammern in Aserbaidschan, dass sie recherchiert hĂ€tten und die Ausreise per FĂ€hre ĂŒber das kaspische Meer möglich ist. Der Stein auf unserem Herzen hinsichtlich des Transits durch Aserbaidschan kam also so langsam ins Rollen.

So gegen 15:00 Uhr/16:00 Uhr erreichten wir dann den Fuß der Berge. Von hier an ging es etwa 100 km eine kleine Landstraße in die Berge hoch. 100 km sind eine verdammt lange Strecke, wenn die Straße von Schlaglöchern gesĂ€umt ist und teilweise die FahrbahnoberflĂ€che nur noch als offroad zu bezeichnen ist. Die Ausblicke entschĂ€digen aber fĂŒr alles – befinden uns im 7. Himmel der Motorradfahrer! Lediglich die georgische Landbevölkerung nervt, wenn sie mit wenig PS, dafĂŒr aber mit ordentlich Km/h an einem dicht vorbei ballert. Der Blick in den RĂŒckspiegel ist also megawichtig. Der hinten Fahrende warnte per Helmkommunikation immer vor ĂŒberholenden Fahrzeugen und der vorne vor Schlaglöchern, wechselnden Belag und Tieren. Insbesondere der vorne war quasi auf Dauersendung. Wir nannten das unseren NDR-Verkehrsfunk!

In Mestia kamen wir erst gegen 18:00 Uhr an und mussten uns ein Hostel suchen. Hier gab es auffallend viele Touristen, die den Ort als Ausgangsbasis fĂŒr Exkursionen in den großen Kaukasus nutzten. Die Suche nach einer Unterkunft hat etwas Zeit in Anspruch genommen und der Magen hing uns auf Kniekehlenhöhe. Aber auch dafĂŒr gab es schlussendlich eine Lösung und der Abend wurde bei einer Zigarre auf dem Balkon beschlossen.

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Axel

    Toller Bericht! Und 2x schreiben ist natĂŒrlich blöd, wird dann aber scheinbar auch gut😃

    BTW, schön wĂ€re noch eine Karte eurer Tagesroute(n)


  2. Olli

    Was fĂŒr ein Abenteuer! Fahrt ihr von Mestia noch nach Uschgulli?

  3. Rainer BrĂŒgel

    Tolle Fahrtberichte! Bringt großen Spaß zu lesen und euch so zu begleiten. Die MĂŒhe, sie anzufertigen lohnt sich allemal. Jetzt fĂŒr uns und spĂ€ter ja auch fĂŒr euch.
    Viel GlĂŒck weiterhin und ich freue mich auf die nĂ€chsten Berichte.

    Rainer („dein Tennisvertreter 🙂

  4. Kai

    Macht weiter so, es ist die MĂŒhe wert und wir verfolgen gespannt wie es weitergeht 👍😀

  5. Anton

    Sehr schön, wie fleißig Ihr schreibt! Die Sache mit dem Motorradclub finde ich sehr gut, ihr scheint Euch die richtige Strecke ausgesucht zu haben! Hoffentlich wird die Covid-Einreisesperre doch noch aufgehoben. Bin gespannt, wie es sich in Aserbadjan entwickelt. Wollen die eigentlich auch schon in die Nato?

  6. Armin

    Vielen Dank fĂŒr den tollen Bericht. Alles Gute weiterhin.

  7. Anonymous

    Habe alles gelesen und vermute das Abenteuer wird immer spannender!
    nicht dem Leben mehr Tage geben

sondern den Tagen
..
    đŸ™‹â€â™‚ïžđŸ€john volker

  8. Anonymous

    Große Freude und wunderbar geschrieben, vielen Dank đŸ™đŸ»
    Fotos sind 👍
    GrĂŒĂŸe Werner

  9. Peter

    Großartig! Ich fĂŒhle mich fast wie auf dem Sozius!

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