Tag 31 / 24. Juni 2026
Als der Wecker uns um 4:30 Uhr in unserer Luxuskabine aus dem Schlaf holt, prüfen wir kurz mit dem Handy unsere Position und entscheiden uns, noch einmal eine halbe Stunde bis 5:00 Uhr die Augen zuzumachen. Als der Wecker dann klingelt, stehen wir senkrecht in den Betten und ziehen uns in Windeseile an, wie bei der Bundeswehr. Jetzt waren wir schon fast im Hafen. Die Eile wäre aber überhaupt nicht nötig gewesen, weil wir garnicht zu unseren Motorrädern durchkommen. Das Parkdeck war viel zu eng mit LKWs beladen. So stehen wir auf dem mittleren Deck neben den Stockbetten und gucken dem richtigen Leben auf dieser Fähre zu. Ausgeschlafen sind wir nicht wirklich, aber die Nacht war schon richtig gut in Anbetracht der sonstigen Verhältnisse hier an Bord. Im Verlauf dieser Etappe haben wir dann noch eine Fähre vor uns, die aber gute 20 Stunden dauern wird. Ja, das Beste haben wir uns für den Endspurt aufgespart … urgs.
Als genug LKWs von der Fähre sind, kommen wir auch zu unseren Fahrzeugen und fahren die Motorräder von der Fähre. Wir parken gleich am Ausgang des „Fährterminals“ und suchen uns ein Hotel, während wir im Morgengrauen einen Kaffee trinken. Klingt romantischer als die Szenerie es wirklich hergab!
Da wir hier auf Flores auf jeden Fall einen Tag Fahrpause machen wollen, also zwei Nächte bleiben wollen, suchen wir uns eine Unterkunft zum Wohlfühlen. Das Crown Plaza am Ort ist quasi neu, nicht weit entfernt und verspricht auf Booking auch einen schönen Pool. Nach knapp zehnminütiger Fahrt treffen wir auf ein paar etwas entscheidungsunwillige Rezeptionsmitarbeiter. Wir wollten gerne die Motorräder in der Tiefgarage parken, das musste der Front Desk aber erstmal mit dem Manager abklären, der natürlich morgens um 8:00 Uhr noch nicht erreichbar war. Außerdem sollten wir die Motorräder vor dem gähnend leeren Hoteleingang wegfahren. Beides macht ja keine gute Laune, wenn du müde von einer kurzen Nacht, total verschwitzt und ohne geputzte Zähne in warmen Motorradklamotten in der Lobby stehst. Als nach zweimaligem Nachfragen innerhalb einer halben Stunde immer noch keine Entscheidung wegen der Tiefgarage getroffen wurde, wurde Claudius etwas deutlicher, bevor Philip mit den Zähnen das Hotel abgerissen hätte. Und was hat es gebracht? Gar nichts! Die Entscheidung war ohne den Hotelmanager nicht möglich. Wir parken also auf dem Parkplatz. Da unsere Zimmer noch nicht bezugsfertig waren, bot man uns an, doch erstmal in die Stadt zu gehen, sich ein bisschen was anzusehen und dann um 14:00 Uhr wiederzukommen. Äh? Nein! Wir würden uns ja gerne erstmal umziehen und zumindest einmal in den Pool springen. Auf die Frage, ob es eine Umkleidemöglichkeit gab, wurde uns ein Bereich hinten links beim Pool gezeigt. Da gab es aber nur eine Dusche und ein WC. Also nichts mit Umkleide. Neben der Temperatur stieg auch etwas unser Puls … Egal – also Striptease hinter Pflanzen zur frühen Stunde und das auch noch ohne Bezahlung. Nach einem wirklich erfrischenden Bad im Pool und Zähneputzen in der Dusche bekamen wir unseren ersten ordentlichen Kaffee und dann doch schon die Schlüssel für die Zimmer. Jetzt beginnen wir wieder zu leben.



Was übrigens bisher in den Berichten garnicht erwähnt wurde, aber jeden Tag viele Male zu unserem Leben auf der Straße oder im Hostel dazugehört, ist die immer und immer wiederkehrende Unterhaltung:
Frage: Where are you from?
Antwort: „Dschermaahn“ (Germany wird selten verstanden, „Dschermaahn“ ist es eher auf Indonesisch)
Frage: Where are you going to?
Antwort: Coming from Dschermaahn all the way down to here
Ergänzung: Going to Timor Leste (Osttimor)
→ Riesenaugen und anerkennendes Nicken.
Kurze Pause
Frage: How many cc? (Hubraum)
Antwort: 1000 cc (1 Liter)
→ Riesenaugen und anerkennendes Nicken.
Kurze Pause
Frage: How many liter in tank?
Antwort: 35 l.
→ Riesenaugen und anerkennendes Nicken.
Kurze Pause
… wir hatten uns auch schon mal überlegt, Schilder zu basteln oder einen QR-Code, wo dann alle Infos abgerufen werden können.
Nach und nach stimmt die Stimmung auch wieder und wir fangen an, herzliche Kontakte zu den Mitarbeitern des Hotel zu schließen. Noch wussten wir nicht, dass dieses Hotel das beste auf unserer Reise werden sollte. Also bis jetzt! Am Ende durften wir sogar unsere Motorräder in die Tiefgarage fahren. Den Tag verbringen wir tiefenentspannt mit ein wenig Bummeln und Mittagessen am Hafen mit Blick auf die Inselwelt vor Flores.


Am nächsten Tag wollten wir unbedingt einen Ausflug machen und buchten im Hotel am „Veranstaltungscounter“ einen Tagestrip mit einem Speedboot nach Komodo. Danach ein wenig Siesta und noch schnell etwas Schreibarbeit für die treue Leserschaft. Abends essen wir sehr gut im Hotel und gehen rechtzeitig ins Bett.
Tag 32 / 25. Juni 2026
Heute steht ein Ausflug nach Komodo zu den Waranen auf dem Programm. Bereits um 6:00 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch. Das Frühstück ist hier auch wirklich ausgezeichnet. Es werden frische Omeletts à la minute gemacht, es gibt sehr guten Kaffee und auch sonst alles, was der Westeuropäer gerne morgens zu sich nimmt. Es gibt sogar richtiges Brot – ein Weißbrot und ein Ciabatta – und Nutella … sensationell. Etwas vor der Zeit holt uns unser Shuttle im Hotel ab. Wir beide steigen hinten ein und fahren bereits 300 m, als wir feststellen, dass in der Sitzreihe hinter uns ein junges chinesisches Pärchen sitzt und das Frühstück zu sich nimmt – mit bester Geräuschkulisse schlürft, schmatzt und rülpst es sich den Kram rein. Entsprechende Gerüche gibt es selbstverständlich ohne Aufpreis dazu. Philip sagt nur: Genau so habe ich das morgens richtig gerne! Ein Gespräch mit den beiden kommt nicht zustande. Dann wechselt Philip das Thema und fragt: Was haben Tote und Dumme gemeinsam? Antwort: Sie sind sich ihrer eigenen Lage nicht bewusst! Den Fahrer haben wir übrigens auch gleich ins Herz geschlossen: Er kriegt die Zähne nicht auseinander und ist einfach nur unfreundlich.



Am Sammelplatz angekommen werden alle Teilnehmer der Bootstouren in Gruppen eingeteilt. Der Ton ist eher rau und bestimmt. Das wird bestimmt ein lustiger Tag, wenn das hier schon so losgeht. Unser Guide auf dem Boot namens Julius legt genauso los – wie auf dem Kasernenhof. Aber wir können ihn ganz schnell knacken, dank Philips loser Zunge. Am Ende werden wir seine besten Freunde auf dieser Tour. Die ersten 45 Minuten düsen wir flott mit den 4 × 250 PS über das Wasser zum ersten Stop im Komodo-Nationalpark. Auf dieser Insel kämpfen wir uns 850 Stufen hoch, an Unmengen Chinesen vorbei. Es wurde eindringlich gebeten, sich nur an die Wege zu halten und nicht abseits in die Natur zu stapfen. Das scheint aber die Schar an „Instagram-Asiaten“ nicht zu interessieren. Für nahezu groteske Insta-Bilder posieren sie an Felsen und Klippen gerne auch jenseits der Absperrungen. Philip weist, nur für seinen Seelenfrieden, auch ein Pärchen zurecht, dass sie den Weg eben NICHT verlassen sollen.
Die erste Insel ist schon wirklich imposant, wenn nur nicht die Massen an chinesischen Touristen wären. Wir kämpfen uns bei bedecktem Wetter, aber nicht weniger Temperatur und Luftfeuchtigkeit, bis auf den Gipfel. Kommen runter, als ob wir frisch geduscht hätten. Von oben kann man drei Buchten der Insel sehen. Fast kitschig-schön.



Die nächste Insel hat als Attraktion einen pinken Strand. Vermutlich gibt es hier Muscheln, deren Schale rot ist und die sich am Strand sammeln. Das nachfolgende Foto klärt uns auf: Es handelt sich dabei um Korallen.






Hier gibt es auch ein Mittagessen in Form von Hühnchen mit Knochen und Reis. Hier am Strand laufen auch plötzlich Hirsche herum. Nach kurzer Recherche wissen wir, dass es Timor-Hirsche sind. Sie sind kleiner als unsere heimischen Hirscharten, eher so groß wie Rehe, aber deutlich stärker im Geweih. Die Tiere stehen unter Schutz und haben hier vom Menschen nichts zu befürchten. Entsprechend zutraulich, gar frech sind die Biester. Aber sehr lieb dabei. Sie fressen halt alles, was da so rumsteht, wenn man nicht aufpasst – Servietten eingeschlossen. Zum Dank für das Essen posieren sie dann aber zutraulich für Bilder.


Die Hirsche sind die Hauptbeute für die Varane und es wird auch dringend davon abgeraten, in den Busch hinter den Hütten zu gehen. Denn dort können auch schon Warane sein. Die Biester haben zwar keine Giftdrüsen, aber ihr Biss ist dennoch tödlich, weil der Speichel einen extrem toxischen Cocktail aus allerlei Bakterien enthält. Man stirbt also an einer Blutvergiftung. Oft ist es so, dass sie Beutetiere auch aktiv jagen. Dann verfolgen sie die Fährte bis zu dem Punkt, wo das Tier verendet. Am liebsten essen sie aber Aas, da braucht man nicht so viel Energie fürs Jagen aufzuwenden. Wir entscheiden uns, keine Beute zu werden. Nach dem Mittagessen geht es dann weiter zur Hauptinsel Komodo Island.
Kaum waren wir am Strand angekommen, bekamen wir eine Sicherheitseinführung. Die Tiere sind sehr schnell und auch wirklich gefährlich. Und auch hier wurde, wie zuvor schon auf dem Boot, der Bitte um Ruhe überhaupt nicht nachgekommen. Insbesondere die Chinesen redeten in Schreielautstärke weiterhin mit den Nachbarn und scherten sich nicht um unseren Guide. Jetzt platzt Claudius der Kragen und er forderte die Menge mit sehr nachdrücklicher und sehr lauter Stimme auf: „Listen to the guide, PLEEEAAASE!!!“ Da war dann aber augenblicklich Ruhe! Schockstarre.
Auf Komodo leben die größten Warane ihrer Art und können sich überall komplett frei bewegen. Ausgewachsen können sie bis zu 3 m lang und 80 kg schwer werden. Leider haben wir aber kein Glück und sehen nur deutlich kleinere Exemplare. Aber auch die sind jetzt nicht winzig. Hintergrund ist, dass aktuell die Paarungszeit begonnen hat. Die Weibchen ziehen sich in die Berge zurück und die Männchen folgen ihnen (natürlich, warum sollte das hier anders sein). Uns kommt natürlich sofort eine super Idee, wie man dieses Problem lösen kann. Wir schlagen dem Wildhüter vor der ganzen Reisegruppe vor, am Strand einen Laden mit Waran-Damenschuhen aufzumachen (also Schuhe für Warane, nicht aus Waranen). Dann kommen alle weiblichen Warane aus den Bergen runter, um zu shoppen. Und die Männchen hinterher, weil sie ja für die Mädchen bezahlen müssen. Problem gelöst! Ob der Wildhüter uns richtig verstanden hatte, ist nicht ganz klar; auf jeden Fall war er fast sprachlos. Aber wir hatten ja unseren Guide Julius, der unseren Humor großartig fand und immer wieder Kontakt suchte.






Nach einer Stunde auf Komodo ging es dann wieder aufs Meer hinaus. Jetzt kam der Teil mit dem Baden und Schnorcheln. An insgesamt drei Spots, von denen einer eine Sandbank war, die aus dem Nichts aus dem Meer ragte, sprangen wir mit Taucherbrille und Flossen ins Wasser. Beide verzichteten wir auf die zur Verfügung gestellten Schnorchel. Die Vorstellung, dass 10.000 Chinesen vor uns die Dinger im Mund hatten, erscheint uns wenig verführerisch. Aber die Unterwasserwelt war unglaublich! Der größte Fisch, den wir sahen, war sicherlich 1 m lang. Überall bunte Fische, kleine Fische, große Fische und sogar eine echt große Wasserschildkröte. Besonders toll waren auch Seesterne mit einem Durchmesser von sicherlich 30 cm in Kobaltblau. Dazu die ganzen Korallen und Anemonen, die an diesem Ort noch gut in Schuss zu sein schienen. Sogar „Nemo“, also einen Clown- oder Anemonenfisch, haben wir gesehen. Genauso Dori und den Dude. Viele der Chinesen – wir waren insgesamt vielleicht 20 Passagiere – konnten aber nicht schwimmen. Diese wurden dann mit Schwimmwesten ins Wasser gelassen, in einen Rettungsring gehängt und vom Personal des Schiffs an einem Seil durchs Wasser gezogen, indem diese vorwegschwammen – skurril! Die Bootscrew schien das aber zu kennen und passte auch sehr darauf auf, dass sich da keiner überschätzt.


Insgesamt waren wir ca. 30 Personen auf dem Schiff. Bis auf uns beide, eine Australierin und zwei Italiener waren ausnahmslos Asiaten, vornehmlich Chinesen, mit an Bord. Mit von der Partie auch mehrere sehr lebensfrohe chinesische Omas und viele junge Liebespaare, mal beide dick und mal beide dünn, mal beide hübsch oder beide anders hübsch.
Als wir um 16:30 Uhr wieder im Hafen anlegen, sind wir auch echt erledigt und springen im Hotel erstmal unter die Dusche, um das Salzwasser loszuwerden. Wir haben auch den Eindruck, dass der Indische Ozean salziger als andere Ozeane ist – das kann aber auch täuschen. Das Abendessen nehmen wir früh ein und gehen zeitig, nach einer Zigarre, schlafen. Morgen geht es weiter. Unser Mann Daniel in Dili hatte uns auch schon zuvor einen Kontakt i.S. Fähre gegeben, der uns gegebenenfalls auf Timor helfen kann. Timor ist die letzte Insel unserer Etappe. Auf ihr liegt auch Osttimor mit der Hauptstadt Dili. Da wir immer noch keine Infos haben, wann die Fähre nach Kupang gehen wird, schreiben wir auch ihn an. Im Handumdrehen erhalten wir quasi einen kompletten Fahrplan, der uns auch bestätigt, dass am Samstag die Fähre geht. Das wäre quasi ein perfektes Timing.
Tag 33 / 26. Juni 2026
Nach einem letzten großartigen Frühstück checken wir schweren Herzens aus dem Crown Plaza aus. An der Rezeption bedient uns Claudia. Claudius macht den üblichen Witz: Er wäre sicherlich der erste Claudius, den sie in ihrem Leben kennenlernen würde. Sie sagte aber: „Nein, allein in diesem Hotel würden insgesamt fünf arbeiten.“ Unser Claudius sagte dann, dass er es schade fände, das jetzt erst zu erfahren, sonst hätte er für die ganzen Brüder eine Party geschmissen. Großes Gelächter! Philip ist sich zwar fast sicher, dass sie es falsch verstanden hatte und es fünf Claudias geben würde. Aber wir werden es final nicht erfahren.
Wir schwingen uns auf die Bikes und fahren eine der schönsten Strecken dieser Reise. Flores ist wahnsinnig grün und die Straße geht selten geradeaus, aber dort können wir ein flottes Tempo fahren. Dann aber wieder kurvige Bergstraßen. Rechts, links, hoch und runter und dann noch mal von vorne. Bei einem Stop in einem „Alfa Mart“ siegt die Neugier über die Angst und wir trinken „MoguMogu“ und „KitKat“ in der Dose! Beides überzeugt auf seine Weise. Das eine schmeckt wirklich wie ein KitKat-Riegel und das andere ist eine Art isotonischer Drink mit kleinen Würfeln, eine Mischung aus Gummibärchen und Götterspeise – Geschmacksrichtung Blaubeerhustensaft. Eklig, aber irgendwie auch geil!






So schlängeln wir uns mit bester Laune durch die hügelige Landschaft. Mit großer Freude beobachten wir die zum Teil skurrilen Fahrzeuge, die wir überholen. Gerne werden hier an die Autos außen auch tote Hühner angebunden. Sie baumeln an den Türgriffen oder der Heckklappe. Die Beine sind oben befestigt und das Federvieh hängt schlaff herunter und flattert im Wind. Plötzlich überholen uns sehr flott zwei große Reiseenduros. Es stellt sich raus, dass es sich dabei um Alexandra und ihren Freund Sergej handelt (von der Fähre). Wir halten kurz an, quatschen ein bisschen miteinander, schlagen aber deren Angebot aus, gemeinsam Mittag zu essen. Uns zieht es einfach nach Aimere, um dort am Hafen die Fähr-Tickets klarzumachen.


Dann bekommen wir aber doch Hunger und halten in einem wirklich sehr ordentlichen landestypischen Restaurant für einen kurzen Lunch an. Für hiesige Verhältnisse sehr professionell, für unsere Verhältnisse absolut super. Hähnchen mit Reis, gerösteten Kokosstreuseln und Chili machen uns satt und glücklich. Hier auf dem Dorf ticken die Uhren anders. Nicht weit von uns entfernt sitzt eine Küchenhilfe und schnippelt Gemüse. Als Claudius auf dem Weg zur Toilette wenig später an ihr vorbeikommt, schläft sie selig und hält dabei noch das Messer in der Hand und ein Körbchen für den Abfall auf dem Schoß. In Ruhe können wir sie fotografieren.

Keine Stunde später kommen wir in unserem Hostel Gemo Beach Cottage an. Der Inhaber heißt Wens und ist ganz sympathisch, auch wenn er ein Schlitzohr ist und behauptet, wir hätten Zimmer mit Ventilator gebucht, und für die mit Klimaanlage möchte er das Doppelte haben. Das Wichtigste ist aber, dass auch er uns – zwischenzeitlich als dritte Person – bestätigt hat, dass die Fähre rüber nach Timor morgen früh um 8:00 Uhr geht. Wir verstehen ihn auch so, dass er uns sogar Tickets organisieren will. Nach einer schnellen Dusche und wieder in Zivilkleidung schwingen wir uns wieder auf die Motorräder, um in den Ort zu fahren. Für die morgige 24-stündige Überfahrt möchten wir uns mit Lebensmitteln eindecken. Ob wir tatsächlich eine Kabine bekommen, steht noch in den Sternen.




Als wir in dem kleinen Supermarkt unsere Einkäufe tätigen, stehen plötzlich wieder zwei aus der russischen Motorradgruppe neben uns. Ruslan und seine Frau, die von dem Vermummungsgebot augenscheinlich nichts hält und mit Helm und Sturmhaube im Supermarkt einkauft. Gegenseitig fotografieren wir uns und wünschen uns eine gute weitere Reise. Nette Truppe!

Tag 34 / 27. Juni 2026
Der Morgen beginnt sehr früh. Vor dem Sonnenaufgang stehen wir gut ausgeruht auf und frühstücken Omelett, Melone und Kaffee. Im Vergleich zum Crown Plaza fast karg das Mahl, aber im Vergleich zu anderen Hotels auf der Tour schon lecker. Während wir uns nachmittags und abends meist über Weltpolitik und Raketenphysik austauschen, haben wir es uns zur Regel gemacht, uns beim Frühstück auf philosophischem Terrain zu bewegen. Heute Morgen haben wir ein Thema, das euch sicherlich erschüttern wird, aber nicht weniger bedeutend ist. Und das ging etwa so, während wir auf der Terrasse direkt am Ozean sitzen:
Philip: Wellen haben ja was Beruhigendes.
Claudius: Wellensittiche aber gar nicht.
Philip: Ja, wer einen Vogel hat, hat einen Vogel.
Über den tieferen Sinn solltet ihr mal nachdenken! Da steckt so viel drin.

Gleich im Anschluss fahren wir zügig zum Fährhafen; wir müssen uns jetzt auch wirklich beeilen, sind nämlich spät dran. Um 6:30 Uhr treffen wir auf dem Parkplatz vor der Fähre ein. Das Ticket Office öffnet um 8:00 Uhr, der neuere Fahrplan sagt eine Abfahrt um 12:00 Uhr voraus. Wie sollen wir das denn bloß alles in der kurzen Zeit schaffen? Dann kommt ein Typ vorbei, der wie ein Paramilitär aus Mittelamerika aussieht und drückt uns die Flosse. Ein Schraubstock ist nichts dagegen. Dreimal wiederholt er, dass wir hier unbedingt jetzt sitzen,bleiben sollen, Kaffee trinken und rauchen sollen. Eine Zigarre um 6:30 Uhr verkneifen wir uns aber. Dann geht er kurz weg, kommt aber kurze Zeit später wieder, setzt sich zu uns und wir führen Gespräche. Meist reden wir ungefähr über dasselbe; den Rest denkt sich jeder und wenn man keine Ahnung hat, was der andere meint, wird übereinstimmend einfach nur genickt und „ja ja“ gemurmelt.




Dann öffnet um 8:00 Uhr endlich der Ticketschalter. Philip stellt sich in die Schlange für Offline-Tickets, also gegen Barzahlung. Claudius steht in der Schlange für Online-Tickets, die wir gar nicht haben, ignoriert dies aber stoisch in der Hoffnung, sich irgendwann rüberdrängeln zu können. Dann sehen wir an einem Nebeneingang die Mitarbeiter rein- und rausgehen. Philip meint zu Claudius, ob er es da nicht mal versuchen wolle? Der entgegnete aber, dass wir ja gleich dran seien, nur noch 2 m bis zum Schalter. Philip fragt ihn, wo sein Biss geblieben wäre? Noch so ein Spruch, und dann!!!! … Er dreht sofort auf dem Absatz um und geht durch die Tür des Nebeneingangs. Er stellt sich noch doofer, als er wirklich ist und kann hier tatsächlich zumindest die Aussicht auf ein VIP-Ticket ergattern, inklusive Kabine. Der Wachmann nimmt die Bestellung auf: 1. Kabine mit Klimaanlage, 2. zwei große Motorräder, 3. VIP-Tickets für zwei Personen, 4. nicht warten, bis wir in der Schlange dran sind.
Das muss er auf einen Zettel schreiben für die Damen vorne an der Kasse. Blöd ist nur, dass er sich diese wenigen Punkte nicht länger als eine Sekunde merken kann. Er schreibt immer einen Punkt halb auf und muss dann erneut in seinem Handy nachgucken, was er zuvor bei Claudius von Google Translate abfotografiert hat. Für diese drei Punkte, unsere Namen, unser Alter und die Kennzeichen braucht er flotte 20 Minuten.


Am Ende können wir die Kabinen dort doch nicht buchen, aber zumindest die Tickets für die Motorräder kaufen und bezahlen. Dennoch sind wir sehr dankbar und er war wirklich nett und hilfsbereit. Er sagte, wir können bei ihm bezahlen und er würde das regeln und uns dann die Boardingpässe in den Wartebereich bringen. Dort sollten wir uns lieber ausruhen, denn nochmal anstellen in der Schlange wäre ja nicht schön. Da hat er natürlich recht! Und so kam es dann auch. Eine halbe Stunde später lieferte er uns die Boardingpässe.
Direkt im Anschluss fahren wir die Motorräder schon mal direkt vor die Schranke. Nach einem guten Monat Indonesien und mit ausreichend „Fähr-Erfahrung“ wissen wir, dass es wichtig ist, ganz vorne zu stehen, damit man nicht Erster auf der nächsten Fähre wird. Auch dieses Mal konnten wir die Kabine des Kapitäns ergattern. Allerdings hat die auch wirklich einen stolzen Preis von 70 €. Aber bei 24 Stunden haben wir keine andere Wahl. In den Stockbetten zu schlafen ist keine Option für uns und unser Gepäck ist in der Kabine auch viel sicherer untergebracht. Auch wenn wir auf dieser Reise nicht eine einzige Minute das Gefühl hatten, dass unsere Motorräder oder unser Gepäck hätten geklaut werden können. Im Gegenteil: Die Indonesier sind uns gegenüber immer ausgesprochen freundlich und ehrlich. Wir haben ja tatsächlich schon Wertgegenstände und Portemonnaies liegenlassen und immer wurden sie uns hinterhergetragen, ohne eine Belohnung zu verlangen. Wenn wir eine angeboten haben, wurde sie nicht selten zurückgewiesen.
Im Wartebereich der Fähre kommt Claudius zum zweiten Mal mit einer Dame ins Gespräch. Sie und ihr Ehemann sind Lehrer und unterrichten unter anderem ganz rudimentär Deutsch. Sie hätten uns so gerne in die Schule eingeladen, um mit den Schülern Deutsch oder Englisch zu sprechen. Aber dafür reicht leider unsere Zeit nicht aus. Aber Claudius kommt auf die Idee, eine Sprachnachricht per WhatsApp zu schicken, die die Schüler sich dann anhören und übersetzen können. Im Anschluss sollen sie das dann aufschreiben und zusammenfassen. Während Claudius die Sprachnachricht verfasst, filmen die beiden ihn, damit auch alles in Wort und Bild festgehalten ist. Ja, Claudius hätte auch Pädagoge werden können. Ok, nein, das wäre keine gute Idee gewesen…


Dann kommt die Nachricht, dass die Fähre wohl erst um 14:00 Uhr hier ankommen wird. So haben wir uns jetzt von 8:00 Uhr über 12:00 Uhr auf 14:00 Uhr gehangelt. Die Leute sitzen alle irgendwo im Schatten.
Endlich, gegen 13:15 Uhr kommt die Fähre an und der Pier ist plötzlich geflutet von Menschen. Die einen wollen auf das Schiff und die anderen wollen runter. Es ist nicht leicht, in der Menge unseren Freund auszumachen, der ohne Quittung mit unseren 1,5 Millionen auf dem Weg zum Kapitän ist. Aber wir haben auf unseren Reisen bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Es wurde immer Wort gehalten. Eigentlich überall. Naja, bis auf Sandy …
Wärend wir im Wartebereich alles andere als am frieren, schauen wir auf unsere Motorräder, die seit Stunden in der prallen Sonne stehen. Zusammen mit unseren Vorräten. Wir scherzen: Gleich auf der Fähre können wir an Bord frühstücken. In den Wasserflaschen von Claudius können wir Eier kochen und die Cola von Philip sieht ja aus wie Kaffee – nur etwas pusten, dann wird es schon gehen!?




Sodann geht es endlich los und wir fahren mit den Motorrädern an Bord. Es sind nicht so wahnsinnig viele Autos und LKWs auf der Fähre. Und das Autodeck wird auch nicht nur für Autos genutzt. Überall haben es sich bereits Menschen hier bequem gemacht. Mit Decken und anderen Unterlagen liegen hier überall Passagiere.


Es ist eine Freude und ein Albtraum zugleich. Der junge Mann holt Claudius ab, um ihm die Kabine des Kapitäns zu zeigen. Die muss aber noch gereinigt werden. Währenddessen darf Claudius die Brücke besichtigen und mit dem Kapitän, dem technischen Ingenieur und noch einer dritten Führungskraft Freundschaft schließen. Der Kapitän meint, die Überfahrt wird etwa 17 Stunden dauern und morgen früh um sieben müssten wir am Ziel sein in Kupang. Überall auf dem Schiff haben es sich die Passagiere „gemütlich“ gemacht. Es ist brechend voll und wir sind definitiv die einzigen Westeuropäer an Bord. Entsprechend werden wir auch von allen und insbesondere den Kindern angeglotzt.


Nach einem kleinen Schläfchen am Nachmittag trinken wir unten am Kiosk auf Deck 2 einen Kaffee und essen später zu Abend. Es gibt Chips, Kekse und Claudius hat sich am Kiosk vier hartgekochte Eier gekauft, die Philip lieber aus der Ferne betrachtet. Er ist der Meinung, Eier stinken. Den Abend verbringen wir gemütlich in unseren Campingstühlen draußen auf dem Deck. Hier ist es schön windig und dadurch angenehm kühl. Die Sonne versinkt fürchterlich romantisch im Meer, während wir unsere Zigarre rauchen.



Neben uns ist eine Gruppe christlicher Jugendlicher. Auch eine Schwester ist dabei in klassischer Schwesterntracht. Einer der Jungs spielt stundenlang Gitarre und alle singen dazu. Um 21:00 Uhr verziehen wir uns in unsere Kabine und gehen schlafen. Die Klimaanlage funktioniert so gut, dass sogar die Türklinke außen eiskalt ist. Zum Schlafen stellen wir sie aber wieder auf 25 °C, damit wir uns keine Erkältung einhandeln. Die See ist ruhig und als es gegen 21:30 Uhr merklich ruhiger auf dem Schiff geworden ist, fallen uns die Augen zu.
Morgen sind wir dann schon auf Timor und dann sind es nur noch ca. 2 Fahrtage bis Dili, unserem Zielort für diese Etappe …

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
Was für ein toller Bericht! Musste mehrmals herzlich lachen! Viel Spaß weiterhin 🌞
„Goodbye Comfortzone“ – bei dieser vierten Etappe ist der Name tatsächlich konsequent Programm. Wow! Alles!
Grandioses Finale wünsche ich euch.
Solange das Benzin und die Zigarren reichen hält Euch nichts auf! Ein echtes Abenteuer und das beste kommt anscheinend am Schluss!
Und wieder so wunderschöne Bilder unserer wunderschönen Erde! Aber dennoch erstaunlich, wie nah Verzücken und Abneigung beienander liegen (können)…Ying und Yang, schwarz und weiß…
Und sehr cool, danke für den Bio-Unterricht, bisher wusste ich nicht, dass man am Biss der Warane stirbt! Über das Motor-Girl mit Helm habe ich dennoch nachgedacht…selbst fürs Foto mit Helm! Eindeutig eine untergetauchte Mafia-Braut!!!
Liebste Grüße
…wo bekommt ihr denn immer die Zigarren her???