Tage 21-25 / Inshallah is not a Delivery Date

Tag 21 / 14. Juni 2026

Der Morgen beginnt mit einer Arbeitsteilung, die unsere unterschiedlichen Charaktere treffend zusammenfasst: Philip vertieft sich in Laptoprecherchen über Flüge und Routen nach Ostjava, während Claudius Dehnübungen macht, Liegestützen zählt und 30 Minuten auf dem Laufband verbringt. Beide haben wir zuvor prall gefüllte Schmutzwäschebeutel an die Laundry abgegeben – einer der kleinen Luxusmomente unserer Reise.

Um 8:30 Uhr eilen wir hungrig zum Frühstück und werden mit einer Überraschung belohnt. Einer guten dieses Mal: Das Frühstück ist schlicht hervorragend.

Danach beschließen wir, die Stadt zu erkunden. Zu Fuß. In der Hitze. Als einzige Idioten in dieser Stadt, die offenbar kollektiv das Konzept „Fußgänger“ noch nicht kennt. Erster Stopp: Die Kathedrale. Zweiter Stopp, und das ist dann doch eine andere Hausnummer: Die Istiqlal-Moschee, die drittgrößte der Welt nach Medina und Mekka. Bis zu 200.000 Gläubige finden hier Platz, drinnen in 5 Geschossen sowie draußen. Eine Zahl, die man sich nicht vorstellen kann, bis man vor diesem Gebäude steht. Philip erhält an der Eingangspforte einen Rock. Großzügigerweise wird auf das Kopftuch bei ihm verzichtet, was Philip sichtlich erleichtert, auch wenn er im Rock eine durchaus gute Erscheinung abgibt.

Danach folgt noch der Monas, der Unabhängigkeitsplatz Jakartas. Ein riesig angelegter Platz mit einer riesigen Säule. Danach beugen wir uns den lokalen Gepflogenheiten und nehmen ein Tuk-Tuk zurück ins Hotel.

Abends treffen wir uns mit Holger, den wir bisher nur per WhatsApp und am Telefon kennengelernt haben. Er ist Geschäftsführer der hiesigen Niederlassung einer deutschen Logistikfirma und die Chemie passt sofort. Wir treffen uns auf seinen Vorschlag hin in „Die Stube“. Großes Gelächter bei den beiden Weltreisenden, denn ihr erinnert euch sicherlich an den Vorschlag des Barkeepers hier im Hotel? In diesem deutschen Restaurant scheinen die Fäden Jakartas zusammenzulaufen. Bei Beef-Tatar, Leberkäse, Weißbier und Caesars Salat haben wir drei viel Spaß. Philip und ich lernen eine Menge über die Zusammenhänge in Jakarta und Indonesien. Holger ist seit 2005 hier und mit einer Indonesierin verheiratet. Im Anschluss nehmen wir noch einen gepflegten GT (Gin Tonic) in einer BN (Bar nebenan), bevor wir uns dann in unser Hotel bringen lassen.

Tag 22 / 15. Juni 2026

Mit der uns in der DNA verankerten deutschen Gründlichkeit bereiten wir unsere Abreise und den Transport der Motorräder vor. Um 9:00 Uhr soll der Fahrer von „Mediamover“ kommen. Die gesamte Konversation findet ausschließlich per WhatsApp statt. Als um kurz vor 10:00 Uhr immer noch keiner da war, schreiben wir, wo die bleiben. Wir kriegen den Kontakt zum Fahrer. Der heißt ausgerechnet „Sandi“ … erinnert ihr euch noch an unser Feindbild „Sandy“, der uns mit dem Transport nach Sumatra so schändlich hat hängen lassen? Hoffentlich macht das „i“ im Namen einen Unterschied zum „y“. Als erstes kamen dann zwei „Verpacker“ auf einem Motorroller angefahren und fingen an, unsere Motorräder wie Umzugsgut in gebrauchte Noppenfolie und durchsichtige Schrumpffolie (ähnlich wie ein Koffer am Flughafen) zu verpacken. Aber von dem Lastwagen ist auch um 11:00 Uhr immer noch keine Spur. Wir werden etwas unruhig. Zwischenzeitlich hat der Unternehmer aber seine Assistentin geschickt. Zur Beruhigung, aber auch um die Kohle zu kassieren für den Transport. 12:00 Uhr – auch noch nichts! Dann kurz nach 12:30 Uhr kommen 2 Kleintransporter – Pritschenwagen. Wir schauen uns etwas fragend an … aber es sieht so aus, als wenn jedes Motorrad mit einem eigenen Transporter fährt. Soll uns ja recht sein. Verladen werden die Motorräder dann im hoteleigenen „Loading-Dock“, einer Rampe, von der wir die Motorräder relativ einfach auf die Transporter schieben können. Die Jungs wollten dann die Motorräder auf dem Hauptständer verzurren. Philip greift aber sofort beherzt in das Geschehen ein und zeigt den Jungs zusammen mit Claudius, wie wir die Motorräder gerne verzurren wollen. Nämlich so, wie wir das sonst auch machen. Erst ernten wir fragende Blicke, dann aber, als das erste Motorrad bombenfest verzurrt ist, anerkennende Blicke. Endlich um 13:30 Uhr mit NUR 4 Stunden Verspätung sind die Motorräder final verladen.

Die Assistentin Evi war nur zur Hälfte dabei, nämlich der unteren Hälfte. Die muss sich auf jeden Fall in Deutschland nicht anschnallen, so klein ist die.

Dennoch war sie uns eine „große“ Hilfe. Für uns heißt es jetzt schnell das Taxi zu bestellen und ab zum Flughafen. Der Flug nach Surabaya geht um 15:50 Uhr.

Versehentlich stehen wir dann halbwegs pünktlich … am falschen Flughafen … Schxxxe! Bis zum anderen, also dem richtigen Flughafen, dauert es 1 Stunde von hier, das schaffen wir nie! Aber glücklicherweise gehen heute noch mehrere Flüge nach Ost Java und bei Preisen um 57 € pro Flug hält sich der Schmerz in Grenzen. Und das auch, obwohl sich Philip aus Ärger über sich selbst dreht wie ein Hund, der seinen Schwanz jagt! Es gibt in Jakarta zwei Flughäfen, das hätte man wissen können. Leider heißen die auch noch einigermaßen gleich. Der eine Halim, der andere Hatta. Tja … damit hatte Philip nicht gerechnet, als er das Taxi bestellt hatte. Dafür buchen wir dann einen neuen Flug, der von dem Flughafen abgeht, an dem wir nun gerade schon mal sind.

In Surabaya angekommen, müssen wir erstmal was essen. Direkt neben dem Hotel gibt es das „Armor“ Restaurant … Wir sind das einzige „Liebespaar“ dort. Unser Hotel hat übrigens eine interessante Lage: Es liegt in direkter Verlängerung der Start- und Landebahn, circa 300 m vom Zaun des Flughafens entfernt. Jedes Flugzeug fliegt direkt vor unserem Fenster entlang.

Bei der obligatorischen Zigarre planen wir den kommenden Tag und buchen ein Hostel in der Nähe des Vulkans Mount Bromo. Hier kann man mit dem Motorrad durch die Caldera direkt bis an den Fuß des Vulkans fahren. Ein paar Stufen führen rauf zum Krater. Wir freuen uns schon sehr auf eines der Highlights unserer Reise.

Tag 23 / 16. Juni 2026

Weil die Bikes erst um 10:00 Uhr morgens ankommen sollen, stellen wir uns den Wecker auf 7:00 Uhr. Dann haben wir noch genug Zeit zum Frühstück. Im Halbschlaf und mit einer Frisur wie eine explodierte Klobürste checkt Claudius als Erstes an diesem Morgen seine WhatsApps … und dann denkt Claudius nur noch: Wo sind meine Blutdrucktabletten?? Reichen 20 auf einmal? Die (das Transportunternehmen) schreiben uns doch allen Ernstes, dass sie „schon“ auf halber Strecke sind und am Morgen des kommenden Tages eintreffen werden, also mit 24 Stunden Verspätung! Philip steht wie ein geölter Blitz sofort in Claudius‘ Zimmer. Nachdem wir klare Worte gefunden haben, stellen wir über ein Airtag fest, dass der Wagen, mit dem Philips Motorrad befördert wird, sich gar nicht auf der Autobahn befindet, sondern auf der Landstraße. Die wollen offensichtlich die Gebühren sparen. Wird natürlich sofort alles an die Zentrale gemeldet! Wir müssen aber aufpassen, dass wir die nicht so sehr nerven, dass sie mit uns gar nicht mehr sprechen. Das würde uns auch nicht helfen!

Also machen wir das, was jede andere vernünftige Frau auch an unserer Stelle tun würde, wir beruhigen uns mit Essen. Ein Grab-Taxi bringt uns erstmal zu einem ordentlichen Frühstücksladen. Hier gammeln wir rum bis mittags, dann muss Claudius zum Ausgleich etwas Sport auf seinem Zimmer machen. Philip vegetiert etwas vor sich hin uns hört sich dabei einen Podcast über Heidi Klum an….Vor allem kommen ja viele Fragen auf, aber vor allem: Was bedeutet das jetzt wieder für den Zeitplan? – das setzt uns echt unter Stress. Denn der ist selbst mit dem Transport der Motorräder hier her nicht super üppig. Bis Dili ist es auch noch eine Strecke und wir wollen ja auch noch etwas die Reise und das Land geniessen. Wir hoffen auf jeden Fall, dass nun die Motorräder morgen früh hier bereit sind. Glaube, Liebe & Hoffnung. Bier gibts hier ja nicht…

Das ist so gar nicht unsere Gangart, macht uns total lethargisch und müde, diese Gammelei.
Und so geht es dann eigentlich den ganzen Tag weiter. Unsere Stimmung schwankt zwischen Lustlosigkeit, Verzweiflung und Galgenhumor. Naja, am meisten ist es Galgenhumor. Immer wenn wir an irgendeinem netten Restaurant vorbeikommen, sagen wir uns gegenseitig: „…das können wir ja auch morgen, oder nächste Woche ausprobieren, weil die Motorräder bis dahin wahrscheinlich immer noch nicht da sind…. Ha ha ha!“
Abends gehen wir in ein Restaurant, das sich fußläufig vom Hotel entfernt befindet und wohl auch lecker Ente macht. Sonst ist Indonesien ja doch recht „chicken-lastig“. Das Ambiente ist vielversprechend. Die Portionen sind, wie schon gewohnt, eher klein. Wir werden aber soweit satt und beschließen den „Schimmeltag“ ohne Zigarre in der stillen, aber dringenden Hoffnung, dass wir morgen irgendwann unsere beiden Motorräder wieder bekommen.

Tag 24 / 17. Juni 2026

Wir stehen hoffnungsvoll um 7:00 Uhr auf. Frühstück bietet unsere Unterkunft nicht, also machen wir das für uns schon fast zum Ritual gewordene „Indomarket-Frühstück“. Kalte Nescafé-Latte aus der Dose und süßes Weichgebäck zu beißen. Wir sind ja als Väter von insgesamt 5 Kindern von unterschiedlichen Frauen (von denen wir wissen) auch Vorbild. (Anm. der Red.: „Vorsicht, Partner – Konfliktpotential bei dem, was Du da gerade verfasst!“) Ein „gutes“ Frühstück ist wichtig. Das Air-Tag an Philips Motorrad wusste zu berichten, dass es gegen 3:00 Uhr nachts einen Kontakt ca. 300 km entfernt von uns gab. Immerhin. Dann endlich um 10:00 Uhr erhält Claudius einen Anruf. Der Anrufer spricht 1a akzentfrei und fließend indonesisch und Claudius versteht nur Bahnhof. Geistesgegenwärtig, bevor der Typ wieder auflegt, fliegt Claudius förmlich zur Rezeption und drückt dem jungen Rezeptionisten sein Handy ans Ohr. Gott sei Dank kommt ein Gespräch zustande. Eine bange Minute und dann sagt der junge Mann: „Ihre Motorräder sind gleich da, noch 500 m.“ Claudius eilt zur Straße, um nach den beiden kleinen LKWs Ausschau zu halten und sie ranzuwinken. Am Ende war es aber ein großer LKW. Da haben die Armleuchter doch glatt die Motorräder nochmal umgeladen und ganz sicher perfekt verzurrt!? Als wir beide den LKW sehen, ist sofort klar, dass wir aus dieser Laderampenhöhe, nur dem Fahrer als Hilfe, zusammen die Motorräder nie und nimmer darunter bekommen. Jedes wiegt mit Koffern locker 250 kg. Ohne weiter zu zögern sind wir on. Claudius ruft Philip entgegen: „Ich werde mir was einfallen lassen!“ und stiefelte los. Parallel prüft Philip die Umgebung und schaut sich auch um. Keine 5 Minuten später hatte Claudius bei einem Stahlhandel fünf Leute organisiert. Philip hatte in der Zwischenzeit den LKW zu einer Autorampe bei der Autowäsche neben dem Hotel rückwärts ranfahren lassen. Als Claudius wie Wickie und die starken Männer um die Ecke kam, fragte der Rezeptionist Philip deutlich verblüfft, wie Claudius denn so schnell die fünf stärksten Männer des ganzen Dorfes aufgetrieben hätte? Philips Antwort: „Weil er es kann!“ In einem Film wäre dies eine Sequenz in der Claudius mit einem wissenden Grinsen, gefolgt von den 5 Männern, in Zeitlupe um die Ecke kommt … mit epischer Musik untermalt. So ein A-Team-Moment.

Das war der richtige Plan! Im Nu waren die Motorräder abgeladen und wir bedanken uns bei den Männern. Die Bezahlung übernahm Philip. Wie Al Bundy auf dem Sofa sitzend, stand Philip inmitten der ganzen Männer und verteilte frei nach dem Motto – wer hat noch nicht, wer will noch mal? – an alle 50.000-Rupie-Scheine. Jeder Schein ist knapp 2,50 € wert, und für 10 Minuten Arbeit war das eine mehr als anständige Bezahlung. Aber für deutlich unter 30 Euro zwei 250-kg-Motorräder abzuladen war es das allemal wert.

Die Motorräder waren natürlich NICHT in unserem Sinne verzurrt gewesen. In Anbetracht der Ladungssicherung sind die „Schäden“ gering. 2–3 Scheuerstellen an den Motorschutzbügeln und an einem der Koffer bei Philip ist eine Schutzecke ab. Diese war aber nur mit Silikon fixiert. Also in Summe quasi nix. Interessant ist aber, dass die Motorräder wohl auf dem Weg nass geworden sind. Und da sie in Folie eingepackt waren, gab es sofort an ein paar Stellen Flugrost.

Wegen der 24-stündigen Verspätung, dem kleinen Schaden und der Kosten einer zusätzlichen Hotelübernachtung schreiben wir dem Spediteur per WhatsApp, dass wir von den 7 Millionen Rupien 1 Million Rupien zurückhaben wollen. Natürlich gehen wir nicht im Ernst davon aus, dass sie unserem Wunsch nachkommen. Wir erwarten noch nicht mal eine Antwort, aber etwas sticheln muss bei dieser miserablen Leistung einfach drin sein.
Keine 45 Minuten später: Herrlich, wieder in Freiheit zu sein und den Fahrtwind um die Nase zu haben. Bei einem Zwischenstopp sehen wir noch eine WhatsApp von dem netten Rezeptionisten, der für uns beim Abladen auch gedolmetscht hatte. Er will uns unbedingt in Deutschland besuchen. Wenn daraus man mal nichts wird.

Also auf Richtung Mount Bromo. Wir haben heute nur ca. 100 km zu fahren. Nach etwa 50 km wird es dann noch besser: Es geht in ganz vielen Serpentinen in die Berge bis auf fast 2.000 m Höhe. Es wird wieder merklich kühler (eher 25 Grad als 34 Grad). Schließlich wollen wir ja zu einem Vulkan und der überragt in der Regel fast alles. Die Vegetation wird grüner, eine wunderschöne Fahrt. Auch unser Hotel scheint einigermaßen angemessen zu sein – eigentlich sogar noch mehr als das! Die Rezeptionistin erzählt uns, dass das Hotel erst vor sieben Monaten eröffnet hat, also auch noch nagelneu, das Château-Schlösschen! Auf 1.760 m Höhe liegt es im Wolkenschleier, sobald die Sonne weg ist. Nach einer erfrischenden Dusche ist es Zeit für eine Zigarre. Auf der Terrasse rauchen wir eine „Romeo y Julieta“ und durchstöbern das Menü nach herrlich unnötigen Kalorien. Quasi ein Snack zur Rauchware. Das Ganze zum ersten Mal auf dieser Reise im Kaschmirpullover und Fleecejacke. Beide Kleidungsstücke begleiten uns ja seit Etappe 1, aber auf dieser Etappe sind sie ob der Temperaturen bisher noch nicht zum Einsatz gekommen.

Die Bestellung hat schon wieder was von versteckter Kamera: Claudius bestellt Ingwertee und Samosas (Teigtaschen)…. Philip möchte gerne Springrolls und einen Aperol Spritz. Die Kellnerin windet und dreht sich und erklärt ihm, dass er leider leider leider erst ab 19:00 Uhr Alkohol bestellen kann (es ist noch nicht 17:00 Uhr). Philip vergräbt sein Gesicht in den Händen und simuliert einen Nervenzusammenbruch. Dann fragt er nach Bintang… also auch kein Bier? Oh doch, Bier ist okay, auch vor 19:00 Uhr! Philip geht durch die Decke: „Oh oh ah, yes, Bintang please!“ Dann wirft er ihr Luftküsse zu….. die Kellnerin geht mit hochrotem Kopf und völlig verwirrt von der Bühne ab. Ab wann ist man Alkoholiker? Da geht es um Menge, nicht um Vorfreude, oder?
Wir schicken in unserer Euphorie an die guten Geister zu Hause und im Büro ein paar Fotos per WhatsApp. Unsere liebe Frau M. (unbeabsichtigte Parallele zu James Bond) bemängelt jedoch die zu ernste Mine bei Claudius…. für Abhilfe sorgen wir sofort!

Als quasi einzige Gäste im Restaurant essen wir hochherrschaftlich zu Abend und werden instrumental beschallt mit einer 1a Background-Restaurant-Playlist. Aber dann sehen wir uns fragend an … hörst du das auch?? „Santa Baby“, „Jingle Bells“ und „Feliz Navidad“ … also die Chillout-Versionen … also richtig schön weihnachtlich! Bis die Weihnachtsgans serviert wird, verschwinden wir beide nochmal kurz auf unseren Zimmern und holen die Geschenke für den jeweils anderen. Echt??? Nöööö!!! Nach einem fürstlichen 3-Gänge-Abendessen in wirklich top Qualität bestätigt sich die Weisheit: „Nach dem Regen kommt die Sonne.“ Gestern noch war alles irgendwie ätzend … heute ist alles richtig super … wie zwei glückliche Kinder gehen wir ins Bett.

Tag 25 / 18. Juni 2026

Und schon heißt es wieder Goodbye Comfortzone. In diesem Falle GOODBYE herrliches Hotel und sensationelles Frühstück und WELCOME stinkende Motorradkluft, staubige Pisten, Verkehr und Abgase!
Eines zieht uns schon seit Tagen magisch an: Der Vulkan Bromo. Mount Bromo ist ein aktiver Vulkan hier im Osten Javas, eingebettet im Tengger-Massiv und Teil des Bromo-Tengger-Semeru-Nationalparks. Er liegt auf etwa 2.329 Metern Höhe inmitten einer riesigen erloschenen Caldera, dem sogenannten „Tengger-Kessel“, der von einer surrealen Sandebene – dem „Lautan Pasir“ (Sandmeer) – ausgefüllt wird. Bromo ist kein besonders hoher Vulkan, aber einer der beeindruckendsten: Der Krater dampft und brodelt kontinuierlich und bei Ausbrüchen schleudert er Asche und Gase in den Himmel. (Claude AI Ende)
Dann geht es los. Wir arbeiten uns von unserem Hotel die kleine Passstraße hoch durch ganz viele Kurven und kleinste Dörfer. Durch das Eingangstor zum Nationalpark ballert Claudius erstmal ungebremst hindurch …. Die Ranger schreien wie wild hinter ihm her und erwischen ihn gerade noch am Ärmel. Philip, leicht belustigt von der unbeabsichtigten „Break-away“-Aktion, hält an und bittet Claudius per Helmfunk kurz, nochmal zurückzukommen. Er kann die Situation mit den Rangern auch schnell schlichten.

In guter Stimmung kaufen wir zwei Tickets für jeweils 15 € und dürfen dann auch rechtmäßig weiter. Schnell erreichen wir den ersten Aussichtspunkt namens King Kong Hill, der den Blick auf den Vulkan und die Ebene davor (Sea of Sand) das erste Mal freigibt.

Von hier aus geht es recht steil bergab. Über abenteuerliche Serpentinen mit beeindruckendem Gefälle runter in die Caldera. Die „Sea of Sand“ geht erst mal harmlos los und wird auch nicht richtig heftig. Dennoch legt sich Claudius einmal in Schrittgeschwindigkeit auf die Seite, weil er den Larry machen wollte und zu sehr am Hahn gezogen hat. Philip fährt etwas „eckig“, aber sicher. In dem weichen Sand mit den schweren Motorrädern und dann auch, ehrlichgesagt, keinem Expert-Level in Deep-Sand sind wir froh, dass es nur ca. 3 km sind, die wir schnell und dann sicher hinter uns bringen.

Mit den Motorrädern können wir noch gut 700 m weiter fahren als die Jeeps mit den Touristen. Dann sehen wir den Aufstieg, den wir noch zu Fuß machen müssen. Man kann auch ein Pony nehmen – tun wir dann auch –, denn in schwerer Motorradkluft macht das keinen Spaß, da hochzustiefeln. Während Philip ein relativ dünnes Vieh erwischt, setzt man Claudius erstmal auf einen viel zu kleinen Gaul. Als er fast beleidigt und aus dem Tierschutzgedanken protestiert, gibt es ein größeres. Er darf sogar alleine nach oben reiten! Also wieder eine Motorradtour wie in Kirgistan mit einem kleinen Ausritt. Philip fragt sich, was wohl die anderen Touristen über uns denken: Zwei Typen in voller Motorradkleidung (immerhin ohne Helm) auf zwei Ponys …oben steht auch Jacqueline, das Pony von Abahachi von der Puder-Rosa-Ranch…

Aber ganz ohne Anstrengung geht es dann doch nicht: Schnaufend kämpfen wir uns die lange Treppe hoch, die zum Kraterrand führt. Die Sonne, eine Höhe von etwa 2.700 m und die schweren Klamotten machen das Ganze recht schweißtreibend. Der Blick in den Krater ist überwältigend. Die Kraterwände sind (wen wundert es) lavagrau und ganz unten gibt es gelbe und grüne Ablagerungen aus Schwefel. Je nachdem, wie die Sonne draufscheint, erscheinen sie gelber oder grüner. Der Bromo brodelt und dampft heute – das tut er nicht immer. Von unten hört man ein Grollen und ein sehr lautes Rauschen, als ob ein Gebirgsbach in 30 m Entfernung vorbeirauscht.

Etwa 20 Minuten halten wir uns dort auf und machen uns dann auf den Weg zurück: Erst über die Treppe, dann per Pferd und schließlich mit den Motorrädern. Heute haben wir noch mindestens 3,5 Stunden zu fahren. Da wir morgen schon nach Bali übersetzen wollen, wollen wir heute noch möglichst weit kommen. Die Übernachtung in der Stadt Jember hat nur Arbeitscharakter und das Hotel ist entsprechend.

Abends gehen wir recht früh in einem chinesischen Restaurant essen. Philip zieht es heute besonders früh ins Bett – er hat sich vermutlich am Bromo einen leichten Sonnenstich gepaart mit etwas Magenverstimmung eingefangen. Aber ein Selfie mit der ganzen Belegschaft machen wir natürlich noch.
Der morgige Tag wird sehr lang werden, auch wenn die zu fahrende Strecke nur ca. 260 km beträgt. Google Maps sagt stattliche 6,5 Std. reine Fahrzeit voraus. Morgen früh um 5:30 Uhr sind wir zum Frühstück „aus dem Rucksack“ auf dem Zimmer verabredet. Um 6:00 Uhr wollen wir die Böcke starten, denn der Weg zur Fähre, die Überfahrt und der Weg zu unserer Unterkunft auf Bali sind zeitintensiv. Außerdem wollen wir Bali im Rahmen des Möglichen so lange wie möglich genießen können.

Bali wird kommen…

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Christoph Hess

    … das Motorradfahren – bergauf/bergab – scheint das zu sein, was die eigentliche Entspannung auf Eurer Reise ist.
    … das sonstige Drumherum, auf das könntet Ihr eigentlich gut verzichten – oder?!
    … wir, die wir Eure Texte lesen dürfen, lernen viel für unsere künftigen Reisen in die von Euch „eroberten“ Regionen dieser Erde.
    … reist gut weiter – was habt Ihr noch vor Euch auf dieser Reise?
    … wann erwarten Euch Eure Familien back in old Germany?!

  2. Addi

    Schon beim Lesen der Transportaktion Euer Motorräder bekomme Blutdruck – da wäre ich ausgeflippt! Und auch wenn ich in den meisten Momenten der Tour nicht mit Euch tauschen wollte 😱, freue ich mich so sehr, dass Ihr das für Euch durchzieht und erleben dürft! Mal wieder ein toller Bericht, Ihr seid verrückt . Viel Spaß auf Bali ❤️

  3. Johannes

    Wahnsinn was bei euch los ist… Aber läuft!!! Großartige Bilder…!!! Habt es gut!!!

  4. Armin

    Philips Antwort: „Weil er es kann! 🙂

  5. Peter

    …größter Respekt, was ihr da gerade leistet…

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