Tage 11-13 / Sumatra calling

…noch Tag 11 / 4. Juni 2026

Endlich sind wir auf der Insel unserer Träume! Wir werden empfangen von unglaublichen Temperaturen um 35 °C und bei mindestens 1.200 % Luftfeuchtigkeit. Das Ahhh-Gefühl war selten intensiver, wenn man einen klimatisierten Raum betritt. Unsere Einreise verläuft unproblematisch. Auch wenn man ein Visa on Arrival machen kann, haben wir bereits in Deutschland ein Visum für Indonesien besorgt. Das weil wir ja geplant hatten, länger als die normalen 30 Tage zu bleiben. Auch in diesem Land die gewohnte Standard-Prozedur: Zoll, Einreise, Gepäckband, Handykarten und etwas Bargeld. Dann per Grab einen Wagen geordert und ab zum Hotel.

Unser Hotel im Zentrum von Medan ist einfach und doch geschmacklos. Der Flur zu den Zimmern im 6. Stock (Fahrstuhl geht aber immerhin bis zum 5.) ist kaum 1 m breit. Die Zimmer sind eher klein, aber auf niedrigstem Standard. Wer vermietet denn sooo kleine Zimmer? Es ist aber mehr als erträglich.

Gerne hätten wir Medan ein bisschen erkundet, aber ein sintflutartiger Regen hält uns im Hotel gefangen. Claudius faltet gleich erstmal den Kellner, weil wir nach über einer Stunde immer noch nicht unseren frittierten Scheiß auf dem Teller haben. Wenn Claudius Hunger hat, ist nicht mit ihm zu spaßen. Die letzten Sekunden macht er allerdings dadurch wett, dass er von der Küche die 20 m mit dem zweiten Teller zu unserem Tisch rannte.

Parallel konnten wir den Aufbau des Frühstücksbuffets über 1,5 Stunden mitverfolgen. Die Länge des Buffets machte Hoffnung. Spoiler: Am nächsten Morgen um 8:00 Uhr wurde die Hoffnung jäh zerstört.

Als der Regen etwas nachgelassen hatte, beschlossen wir, doch nochmal rauszugehen. Wir brauchten auch noch Cash. In Indonesien ist Cash King. Hier und da werden auch Karten akzeptiert, aber eigentlich geht hier alles nur in bar. Wir hatten ja auch in der ersten Etappe schon mal eine Währung in Usbekistan, die einen etwas unpraktischen Umrechnungsfaktor hatte. Bei der Rupie ist das ähnlich. Wir zogen also erstmal 8 Mio.! In insgesamt 4 Abhebevor­gängen. Umgerechnet 380 Euro! Da wir beide noch nie 8 Mio. in Cash dabei hatten, beschlossen wir, das Ganze mit einem Nachtisch und Bierchen zu feiern. Gegenüber vom Hotel war noch ein vielversprechender Laden. Gebackene Banane für Claudius und Pfannkuchen mit Banane für Philip. Dazu ein lecker Bierchen. Parallel zum Bierchen organisierte Philip online ein Shuttle (auf Wunsch von Claudius einen Van mit zwölf Sitzplätzen, damit man ordentlich Beinfreiheit hat). Kostenpunkt: 1,7 Millionen indonesische Rupien, umgerechnet etwa 80 €, der uns nach Tanjung Balai bringen sollte. Das sind immerhin gut 4 Stunden Fahrzeit.

Tag 12 // 5. Juni 2026

Wie schon vorher verraten, war das Frühstücksbuffet nicht ganz so continental, wie erhofft. Nasi Goreng und etwas, was mit Kaffee beschriftet war (aber nach unserem Geschmack keiner war). Alle möglichen warmen Speisen waren selbst für Claudius eher ungenießbar. Tee, Reis und Toastbrot mit Marmelade wären machbar gewesen.

Pünktlich um 9:00 Uhr wartet unser „Toyota HiAce Commuter“ samt Fahrer vor dem Hotel. Es ging raus aus der Stadt und vorbei an Palmölplantagen, Reisfeldern, Buschland und kleinen Ansiedlungen. Hier machen wir uns jetzt auch Gedanken über die Route für die nächsten Tage. In diesem Jahr benutzen wir zum ersten Mal wirklich intensiv ChatGPT, um diverse Fragen zu klären und die Route zu planen. Ganz einfach werden Routenvorschläge gemacht mit Kilometerangaben, Zeitangaben und GPS-Daten. KI macht das alles natürlich nur näherungsweise, aber um eine grobe Vorstellung zu kriegen, ist das perfekt!

Der Verkehr in den Städten ist gelinde gesagt herrlich exotisch grauenhaft, und so etwas wie Verkehrsregeln wie bei uns mag es eher als zaghafte Vorschläge geben. Das Rechtsfahrgebot — oder hier dann Linksfahrgebot — ist hier gänzlich unbekannt. Man fährt einfach so schnell, wie man meint, und wo man will. Überholt wird, wo Platz ist. In Malaysia wurde übrigens garnicht gehupt, hier gehört es zum guten Ton. → Auch wieder ein Wortspiel allererster Güte … wir kommen in Fahrt. Auch der war gut … egal, weiter:

Die Alternative zu dem Privat-Shuttle wäre die Bahn gewesen. Eine Schmalspurbahn, wahrscheinlich ohne Fenster (also schon mit Öffnungen, aber ohne Scheiben), mit Holzbänken und Hühnern als Sitznachbar. Insbesondere das Fehlen der Klimaanlage macht die Sache neben der längeren Fahrzeit trotz der Kostenersparnis wenig attraktiv für uns. Wie wir ja aus Deutschland wissen, funktionieren Klimaanlagen in Zügen nur bis zu einer Außentemperatur von 28 Grad — hier sind es locker 33.

Am Ende hat es sich ausgezahlt, den Privat-Shuttle zu nehmen. Wir sind schon nach 3 Stunden an unserem Ziel angekommen. Unsere Motorräder sind sogar schon vor der Zeit da. Avisiert war, dass wir ca. 17:00 Uhr zu den Motorrädern fahren, jetzt ist es allerdings gerade Mittag. Keine 20 Minuten nach Ankunft im Hotel schrieb Tony (das indonesische Pendant zu Azwan) an Philip per WhatsApp, dass ein Fahrer uns abholen würde.

Mit der Präzision eines Westeuropäers traf der Mercedes auf drei Rädern ein.

Zunächst ging es auf einen kleinen Hof, der bei näherer Betrachtung ein Restaurant war. Denn Tony hatte uns gefragt, ob wir schon Lunch gehabt hätten. Gefähr­licherweise sagte Philip gleich nein. Tony schrieb was von Salat … ups, wie war das mit Salat in fremden Kulturen …? Aber der Mut wurde belohnt, und es gab etwas Undefinier­bares mit Huhn, das deutlich scharf, aber sehr lecker war. Witzigerweise aßen Tony und seine Begleiter das selbe Gericht, allerdings nicht scharf. Sie sagten, ihre Bäuche würden das nicht mehr vertragen. Da seht ihr mal wieder, was wir beide für harte Typen sind! Beide Teller ratzeputze leer.

Tony war übrigens mit einer hellblauen 150er Vespa gekommen. Ja, so eine echte, alte Blechvespa. Die scheinen in Indonesien garnicht mal so selten zu sein. Schon waren Philip und Tony „doppelklippo“ — weil Philip ihm erzählte, dass er in Hamburg auch eine alte Blechvespa hätte.

Frisch gestärkt schwingen wir uns wieder in den orangenen 3-Rad-Mercedes. Wie auf dem Präsentierteller fühlten wir uns, als wir mit dem Wind im Gesicht durch zum Teil slum­artige Vororte die 6,5 km bis zum Hafen kutschiert wurden. Vor uns, hinter uns und neben uns riefen uns die Menschen „Hello Mister!“ zu und winkten. Bei Claudius macht sich das erste Mal auf dieser Reise ein Entspannungsgefühl breit.

Nachdem wir die Schranke zum Hafengebiet passiert hatten, wurden wir von Tony bereits vor einem Lagerhaus herangewinkt.

In dieser Lagerhalle standen die beiden alten Damen inmitten diverser Kisten und Fässer, direkt bei einigen Schreibtischen, die als Lagerbüro dienten.

Drum herum reges und geschäftiges Treiben. Jeder Blick, den man mit einem Hafenarbeiter erwiderte, schenkte uns ein Lachen. So ist uns sowohl in Malaysia als auch hier in Indonesien aufgefallen, dass die Leute besonders herzlich und kommunikativ sind, wenn man ein Gespräch zulässt. Damit heben sie sich irgendwie recht deutlich von vielen anderen Ländern Südostasiens ab, die wir bisher bereist haben. Aber als großgewachsene Westeuropäer mit Vollbärten sind wir hier auch echt auffällig.

Kurz nach unserer Ankunft kommt ein Beamter vom Zoll, kontrolliert mehr oder minder alle Papiere, stempelt die Carnets ab, lässt sich aber dann doch sehr gewissenhaft den Inhalt unserer Boxen zeigen. Werkzeug, Ersatzteile, Motoröl, Campingstuhl … laaaaaangweilig. Dann geht das Ganze wie so oft über in einen Smalltalk, in dem wir über unsere Reise ausführlich erzählen müssen oder dürfen … und die obligatorische Fotosession.

Kleine Anekdote am Rande: Claudius reckte auf dem Foto seine Hände so hoch in den Himmel, dass man seinen „Sixpack“ hervorblitzen sah. Das war ihm aber unangenehm — er will ja nicht so angeben, deshalb hat unser Freund ChatGPT kurzerhand das Shirt verlängert. Der Mann ist ja schließlich verheiratet und das Bierfass gehört nur seiner Frau.

Den Rückweg zum Hotel machen wir nun eigenständig. Wir üben schon mal bei jeder noch so kleinen Gelegenheit, die Hupe einzusetzen.

Im Hotel zurück bekommen wir erstmal einen wirklich guten Kaffee und stellen den Bericht Nr. 3 fertig.

Aber eines ist richtig gut: Das erste Mal auf dieser Tour sind wir maximal entspannt, der ganze Stress und die Ungewissheit der letzten guten 1,5 Wochen sind von uns abgefallen. Eigentlich ist heute der echte Tag 1.

Nach Kaffee und Bericht wollen wir uns noch etwas die Beine vertreten und gehen noch zum nahe gelegenen Flussufer. Schiffe angucken.

Heute gibt es ein frühes Abendessen und dann ganz schnell ins Bett. Morgen früh um sechs werden wir bereits frühstücken. Morgens erhoffen wir uns niedrigere Temperaturen und der Verkehr ist hoffentlich auch noch nicht so heftig. Durch die verlorene Zeit müssen wir auch irgendwie mal Strecke machen.

Gute Nacht, oder wie es auf Indonesisch heißt: Selamat malam!

Tag 13 // 6. Juni 2026

Wir stehen selbstverständlich pünktlich auf und sind pünktlich um 6:00 Uhr beim Frühstück. Rein rechnerisch hätten wir 7,5 Stunden schlafen können. Wegen seniler Bettflucht waren es am Ende wahrscheinlich nicht mehr als 4,5 Stunden bei Claudius. Philip hat durchgeschlafen — der ist noch nicht so senil.

Wir frühstücken recht kultiviert Eier mit scharfer Soße und Toastbrot mit Marmelade. Heißes Wasser zusammen mit unserem „Krümelkaffee“ macht uns glücklich und bereit für den ersten Fahrtag.

Dann auf die Maschinen und los! Ein kleiner Tankstopp und dann kann uns nichts mehr halten. Aus der Stadt heraus ist es noch wenig erfreulich, aber dann fahren wir 130 km durch die Berge, winzige Straßen mit winzigen Dörfern, üppigem Grün und sogar einer Schlange auf der Straße. Claudius beißt sich die nächsten 50 km fast in den Hintern, dass er nicht umgedreht hat. Philip findet das nicht so schlimm …

Der erste Stopp soll am Lake Toba sein. Zwischendrin kommen wir auf bis zu 1.000 m über NN. Hier ist es gleich deutlich angenehmer von der Temperatur. In einem Dorf halten wir kurz an, um etwas zu trinken. Dort wird gerade eine Hochzeit gefeiert. Alle sind in aufwendigen, eleganten, bunten Leinengewändern gekleidet. Hochzeiten sind hier sehr farbenfroh, wie wir noch an weiteren Stellen feststellen werden.

Nach gut 145 Kilometern erreichen wir den Lake Toba. Gigantisch. Wir nehmen unser Mittagessen bei Kentucky Fried Chicken. Herrlich kultiviert.

Mitten in das Hühnchenglück bekommt Claudius plötzlich einen Lachanfall, der offenbar irgendwo aus dem tiefsten Inneren kommt. Die Absurdität der Lage hat ihn voll erwischt: Zwei nicht mehr ganz taufrische Herren, in relativer Zeitnot, auf Motorrädern aus dem letzten Jahrhundert, durch ganz Indonesien, bei Temperaturen, die man eher als „brutal“ beschreiben würde — und das nennen wir Urlaub. Er unterstreicht diese Erkenntnis mit einer Geräusch- und Gestikulations­performance, die ihresgleichen sucht. Was will man dazu noch sagen? Er hat ja Recht.

Nach weiteren 50 Kilometern haben wir unser Tagesziel von rund 200 Kilometern abgehakt und rollen gegen 14:30 Uhr auf Beryls Farm ein. Auf 1.000 Metern Höhe gelegen hat es eine angenehme Temperatur und eine Ruhe, die nach dem Tagesritt durch den Verkehr sehr beruhigend wirkt. Alles sehr schön.

Was weniger schön ist: Ein Affe in einem viel zu kleinen Käfig, der uns anschaut. Der Gedanke, ihn nachts einfach rauszulassen, taucht kurz auf. Er wird wieder verworfen. Aber er taucht auf.

Wir lassen uns stattdessen auf der Restaurantterrasse nieder, ordern zwei kühle Biere und zünden uns eine Zigarre an. Herrlich. Und dann ertönt aus dem Hintergrund plötzlich deutsche Musik. Warum auch nicht. Auf einer Farm in Sumatra auf 1.000 Metern Höhe. Ergibt alles Sinn, uns zu Ehren.

Nach Bier und Zigarre noch ein Rundgang über das Gelände, und dann stellt sich die wirklich wichtige Frage des Tages: Was gibt es zum Abendessen?

Philip ordert ein Chicken-Steak. Die Portion ist überschaubar — aber lecker, das muss man fairerweise sagen. Claudius „wagt“ sich an Chicken with Rice. Was kommt, ist ein kleines, verbranntes, steinhartes Hühnchen, das etwas trocken, dafür aber recht scharf gewürzt ist. Indonesien zeigt mal kurz sein anderes Gesicht.

Weil das noch nicht ganz reicht, bestellt Claudius zur Abrundung einen Pfefferminztee. Zumindest denkt er, das zu tun. Was dann in dem Glas serviert wird, lässt sich am ehesten als aufgelöster Pfefferminzlutscher in kaltem Wasser beschreiben. Knapp daneben ist auch vorbei. Der nächste Lachanfall. Da will man einmal was Ordentliches trinken. Philip trinkt sein kaltes Heineken und lacht sich auch schlapp. Zum Nachtisch bekommt Claudius noch eine frittierte Banane nach indonesischer Art: Mit Schokostreuseln und geriebenem Käse…

Philip zieht es bereits um 20:00 Uhr aufs Zimmer — das will schon was heißen. Der erste richtige Fahrtag hat ganze Arbeit geleistet. Bevor wir „auf Stube gehen“, bestätigen wir noch an der Rezeption, dass wir um 6:00 Uhr frühstücken möchten. Toast, Rührei, Kaffee soll es geben. Mal sehen.

Der erste Fahrtag. So kann es bleiben.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Johannes

    Oh wie schön, dass nun endlich der richtige Tag 1 für Euch sein durfte!!! Weiterhin gute Fahrt!!!

    1. Carsten

      Weiter so, klasse Bericht, weis ja wie viel Disziplin man dafür braucht.

      Dann man weiterhin viel Spaß mit nasi (whatever) und breit angelegten Straßen, hahaha

  2. Christoph Hess

    Was hättet Ihr doch für ein langweiliges Leben, wäret Ihr nicht von HH aus nach Australien aufgebrochen?! Das Verlassen Eurer Komfortzone wird Euch menschlich reifen lassen.

    An diese lange, strapaziöse
    und unvergessliche Reise werdet Ihr Euch Euer Leben lang erinnern – auch wenn Ihr am Ende selbst senil seid – und nicht nur erste Anflüge habt, die Euch früh morgens aus dem Bett holen.

  3. Aji (McDonald's Bengkulu Staff)

    Thank You for visiting Kota Bengkulu, especially McDonald’s Jati Bengkulu. It was such an honor to know you guys, and it’s my pleasure to have a small conversation with two great man like you. Safe ride, brothers, god bless your journey. „Terima Kasih“, Danke schön (Thank You)

  4. Armin

    Nach Abschluss der Reise erscheint das Buch mit dem Namen
    „ Eine etwas andere kulinarische Weltreise“
    Habt eine tolle Zeit weiterhin.

  5. Alexandra

    Herrliche Fotos!! So schön! Tolle Eindrücke!! Danke 🤩
    Ich weiß aber nicht, warum ihr euer Hotelzimmer in Medan moniert…ihr habt schon in ganz anderen „Zimmern“ übernachtet 😉 Port Hotel in Kyrik, oder in einer Jurte, in welcher Claudius nachts fast erfroren wäre…
    Das kulinarische Angebot sieht sehr interessant aus. Aber wer schon Heuschrecken gegessen hat…
    Schön, dass ihr nun wirklich „angekommen“ und entspannt seid. Claudius lächelt nun auch 😊 Ich wünsche euch eine unermessliche Menge voller wunderbarer Erlebnisse und Glücksmomenten.

Schreibe einen Kommentar