Etappe 4 – es geht wieder los

Tage 1-8 // 25. Mai bis 01. Juni

Nach einem extra Jahr Pause ist nun 2026 das Jahr für die 4. Etappe. Nicht nur, dass wir endlich wieder loskommen, erfreut uns – nein, viel mehr die Umstände, dass Philip nach der familiären gesundheitlichen Achterbahnfahrt in 2025 wieder los kann, ist ein Geschenk. Es zeigt vor allem, dass weder Geld noch Ruhm noch sonst etwas zählt, wenn die Gesundheit und das Leben bedroht sind. Viele von Euch wissen ja um die Umstände des letzten Jahres rund um Philips Familie – und das soll hier auch gar keinen großen Platz einnehmen. Aber die Dankbarkeit in Richtung des UKE und noch vielmehr der Mut, die Kraft und die Willensstärke bei Philips Frau müssen hier einmal ausdrücklich erwähnt werden, denn nur sie haben es überhaupt möglich gemacht, dass Claudius und Philip wieder zusammen los können. Danke!

Nun aber soll es losgehen. Ring frei für Runde 4 durch Indonesien, wir kommen.

Keiner freut sich mehr als Philip und Claudius, dass wir wieder was zu berichten haben. Die 4. Etappe ist gestartet. Ob sie auch schon rollt, ist eine andere Frage – und die werden wir in diesem ersten Bericht ausführlich beantworten.
Vorweg so viel: Murphy war diesmal von Anfang an dabei. Und er hatte sein gesamtes Gesetzbuch dabei.

Am 25. Mai war es endlich so weit. Vierte Etappe, neues Abenteuer, maximale Vorfreude – jedenfalls bei einem von uns. Denn Claudius trat die Reise mit null Frohsinn im Gepäck an. Keine drei Stunden vor der Abfahrt wurde der Familienhund bei, Dackelmädchen Lilly, überfahren. Ein Unfall und eine Familientragödie, die hier nur am Rande erwähnt sein soll – aber die natürlich alles andere als am Rande war. Farewell, liebe Lillymaus!

Am Flughafen in Hamburg gab es dann erstmal ein Bier. Mit hängenden Ohren, aber ganz klar auf die kleine Lilly. Das zweite folgte standesgemäß in unserer treuen Stammbar in Istanbul – diesmal tranken wir dann aber auf eine gute Reise. Turkish Airlines brachte uns wie gewohnt entspannt und komfortabel nach Kuala Lumpur. Fast komplikationslos.

Fast – denn die malaysische Einreise-App hatte an diesem Tag offenbar keine Lust auf uns. Nach diversen Versuchen, mehrfachem Neustarten und dem kollektiven Schulterzucken zweier digital nicht total doofer Mitteleuropäer stempelten die Beamten unsere Pässe auch ohne App einfach ab. Vielleicht hatten wir es auch unbewusst geschafft, die digitale Hürde zu nehmen. Egal.
Das Gepäck hatte sich derweil eigenständig entschieden, nicht mehr auf dem Band zu kreisen, sondern bereits brav davor zu stehen. Soll heißen, dass viele hundert Menschen in diesem Flugzeug es schneller geschafft hatten als wir :-). Man lernt ja nie aus.

Kuala Lumpur fühlt sich an wie nach Hause kommen. 23. Stock in dem uns bekannten Apartmenthotel Tribeca, Blick über die Stadt, Klimaanlage auf Anschlag. Erstmal beim „Seven Eleven“ eine SIM-Karte kaufen – die wahre erste Amtshandlung jeder Reise – dann ab auf den Night Market. Unser Stammlokal begrüßt uns, als wären wir nie weg gewesen. Ok, das machen die da mit jedem Touristen, aber fühlt sich trotzdem gut an. Morningglory und Co. schmecken wie immer ausgezeichnet.

Anschließend 60 Minuten Fußmassage, noch etwas Wasser kaufen und dann ruft auch schon das Bett. Die Nacht im Flieger steckt noch in jedem einzelnen Knochen – außerdem kommt auch der Jetlag mit 6 Stunden Zeitunterschied dazu.

Wir hatten bei der Reiseplanung nicht die hier geltenden Feiertage auf dem Schirm. In Malaysia gibt es deutlich mehr davon als in Hamburg. Aber als wir das erfuhren, war schon alles fest gebucht. Wir müssen also die Zeit bis zum 29.5. hier rumbringen. Was folgt, ist Kuala-Lumpur-Trott in Reinform: Schlafen, Essen, Zigarre rauchen, Massage, Essen, schlafen, Zigarre, Essen. Wir sitzen die Zeit pflichtbewusst ab, bis am 29. Mai endlich der Termin mit unserem Agenten Daryl beim Zoll kommt. Wenn wir ganz ehrlich sind: Ein Bisschen unbefriedigend. Aber dafür mit wirklich hervorragenden Zigarren.

Endlich. Freitag, der 29.5.2026! Wir fuhren morgens in die Hafenstadt Port Klang. Sie liegt 70 Kilometer südlich vor den Toren Kuala Lumpurs. Wir waren derart überpünktlich da, dass Philip beschloss, die Zeit kreativ zu nutzen – und sein Handy im Taxi zu vergessen. Sowas macht Philip ja gerne mal. Auch an Grenzen, wie wir aus den vergangenen Jahren wissen. Der Mann hat ein Talent, immer mal den Blutdruck auf Frequenz zu bringen. Wir bekamen das Handy aber nach 5 Minuten zurück – der Fahrer hatte es klingeln gehört und ist noch mal umgedreht. Puh.

Treffpunkt war der Freihafen, genau genommen der Haupteingang. Daryl – unser Logistik-Mann hier in Kuala Lumpur, den wir ja schon seit zwei Jahren kennen – kam pünktlich, und wir konnten mit ihm endlich zu seiner Lagerhalle fahren, wo unsere Motorräder standen.

Und was soll man sagen: Es dauerte tatsächlich nur einen Vormittag, eigentlich nur knapp 2 Stunden. Die Maschinen standen da, als wäre nie etwas gewesen. Angeworfen, sofort angesprungen, bereit für neue Abenteuer. Wie in der alten Mercedes-Werbung – Tür zu, willkommen zu Hause.

Daryl – den wir über zwei Jahre und eine Verschiffung nach Deutschland liebgewonnen haben – hatte allerdings noch eine schlechte Nachricht im Gepäck (oder Murphy): Der letzte offizielle Schritt, die sogenannte ICP-Inspektion, also eine Verkehrssicherheitsprüfung durch das Straßenministerium, kann erst am Mittwoch nach dem LAAAAANGEN Wochenende stattfinden. Für Motorräder, wohlgemerkt, die wir drei Kilometer zur nächsten Verschiffung bewegen wollen – gerne auch per LKW, wenn das einfacher ist. Aber der Zoll will sein Dokument, und das kostet uns jetzt locker fünf weitere Tage. Shit.

Wer an dieser Stelle dachte, Murphy und das Schicksal hätten nun ihren Spaß mit uns gehabt und wenden sich jetzt anderen zu, hat die Rechnung ohne den zuständigen Sachbearbeiter gemacht.
Nächstes Problem: Der Agent, der unsere Motorräder über die Straße von Malakka nach Sumatra bringen wollte und sollte, hatte sich seit drei Tagen nicht mehr gemeldet. Er tat es bis heute nicht. Für alle, die die Geografie dieser Gegend nicht auswendig kennen: Zwischen Malaysia und Indonesien liegt eine schmale Meerenge. Die Überfahrt selbst dauert nur wenige Stunden. Eine Fähre, auf die man einfach mit dem Motorrad rauffahren kann, gibt es allerdings nicht. Entweder aufwändige Containerverschiffung, Luftfracht – oder sowas wie ein kleiner Lastenkahn mit einem Agenten, der das dann organisiert. Unser Agent war jedoch offenbar auf seiner ganz eigenen Reise.

Das war aber immer noch nicht genug Programm für diese Woche. Wir mussten heute wegen des längeren Aufenthaltes in Kuala Lumpur auch noch das Apartment wechseln. Über booking.com gebucht und bestätigt, wurde es dann eine Stunde vor Einzug storniert wegen ungeplanter „Instandhaltungsmaßnahmen“. „We are so sorry, but you have to look for another option“… im Comic wären hier jetzt nur noch Symbole über unseren Köpfen – und keine schönen. Aber wir wurden schnell fündig. Apartment Nummer 3 im 50. Stock entschädigte uns mit einem gigantischen Ausblick und einem Interior Design, das man am besten als mutig bezeichnen würde. Die Marmorwand allein verdient mindestens eine eigene Erwähnung. Bleiben durften wir auch dort nur eine Nacht, bevor der Umzug in den 11. Stock folgte.

Kuala Lumpur mit seinen unglaublichen Menschenmassen geht uns aktuell und nach den letzten Tagen etwas auf den Zünder. Zudem nagt auch diese zähe Ungewissheit wegen des Transportes nach Sumatra an uns. Wir beschließen kurzerhand, nach Phuket zu fliegen. Urlaub vom Urlaub. Kann man ja mal machen.

Phuket im Juni ist ein Erlebnis. Die Westküste ist herrlich frei von den üblichen Touristenmassen – was vermutlich daran liegt, dass Regenzeit ist und es fast ununterbrochen schüttet. Aber in der Ruhe liegt ja die Kraft. Vielleicht noch ein Fun-Fact über Phuket: Alle Schilder, Speisekarten etc. sind in drei Sprachen: Englisch, Chinesisch und Russisch. Auf Thai quasi nichts.

Von hier aus aktivieren wir gerade alle Kontakte, die wir über die Jahre angesammelt haben: Daryl, Sandy, Azwan, Tony, Mr. Lee, Rahim, Bernard, Robert, Peter, Paul & Mary und wie sie nicht alle heißen.

Eine fertige Lösung haben wir noch nicht. Aber zumindest einen Plan: Dienstag, 2.6.26, geht es zurück nach KL. Dort werden wir am Mittwoch um 10:00 Uhr die ICP-Inspektion machen und dann als Erstes zum Büro von Azwan fahren und mal schauen, ob eventuell bei den Personenfähren nach Sumatra was geht. Dort einfach durchfragen. Manchmal ist das die einzige Methode, die noch übrig bleibt.

Alternativ bliebe noch der Weg nach Borneo, den malaysischen Teil, und dann nach Süden die Grenze zu Indonesien zu überqueren. Das würde uns allerdings wieder sehr viel Zeit kosten – mindestens noch eine Woche – und Sumatra wäre damit vom Tisch. Und Zeit ist tatsächlich unser nächstgrößeres, ernstes Problem – Anfang Juli müssen wir in Osttimor sein. Indonesien ist groß. Verdammt groß. Und wir sind noch nicht mal drauf.

Im Moment haben wir nicht viel Konkretes in der Hand. Wenn wir ganz ehrlich sind: Fast gar nichts.
Etwas frustrierend? Ja. Das Ende der Geschichte? Mit Sicherheit nicht. Gute Laune haben wir trotzdem.
Wir halten euch auf dem Laufenden.

Dieser Beitrag hat 18 Kommentare

  1. Anonym

    Ihr seid die Größten! ❤️Ich freue mich schon riesig auf den nächsten Bericht. Ist ja richtig spannend diesmal.

  2. Christoph Hess

    Das sind natürlich unglaubliche Herausforderungen.
    Meine Daumen sind gedrückt, auf dass alles gut werden wird und Ihr in Kürze Eure Motorräder besteigen könnt, damit‘s dann erst richtig losgeht. Derzeit seid Ihr in der Phase des „Aufgalopps“.
    Viele Grüße in die Ferne, lieber Philip und lieber Claudius!

  3. Johannes

    Ihr Lieben, ich freue mich so sehr für euch, dass ihr wieder unterwegs sein könnt! Ich drücke euch ganz fest die Daumen für die Weiterreise und hoffe sehr, dass ihr schnell eine Lösung findet! Gute Fahrt für euch und lasst es euch gut gehen! ❤️❤️❤️

  4. Fränci

    Absoluter Wahnsinn. Euch eine tolle Reise !

  5. Axel

    Urlaub vom Urlaub, das ist genau mein Programm. Nächstes Mal komme ich mit!

  6. Anonym

    Dann mal gute Reise und immer oben bleiben!

  7. Hermann

    Dann mal gute Reise und immer oben bleiben!

  8. Anonym

    Ihr Lieben, zunächst Glückwunsch für die Startmöglichkeit, Philipp Du bist wirklich tolll!
    Dann hoffentlich mit Lösungen für die erste Etappe. Passt auf Euch auf und genießt Eure Abenteuer!!
    LG Egbert

  9. Kai

    Urlaub vom Urlaub – genial! Darauf hätte ich selber kommen können, also frisch ans Werk und Euch viel Glück ind weniger Murphy und natürlich ausreichend Zigarren 👋

  10. Katja

    Hallo Ihr beiden,wünsche Euch eine Spannende und Pannen freie Reise 👍aber wie ich sehen geht es euch gut.
    Ne Fußmassage und Zigarre könnte ich jetzt auch gebrauchen 😉liebe Grüße Katja

  11. Armin

    Das fängt ja gut an. Wünsche euch eine tolle Reise.

  12. Anonym

    Euch und Murphy ganz viel Spaß und Erfolg für morgen! Verfolge die Reise natürlich wieder😘 Addi

  13. Dietrich

    Schön, dass die Reise weitergeht. Wir zuhause genießen die Bilder und abenteuerlichen Berichte! Großartig. Grüße vom Rechtsverdreher (D.O.)

  14. Peter

    Gute Reise, Männer!

    Das mit dem Hund tut mir sehr leid! Ich habe auch ein Tier, an dem ich sehr hänge!

  15. Betty

    Habt eine mega Zeit und vor allem gute Fahrt…freue mich wieder sehr auf eure Berichte

  16. Klaus

    Hallo Jungs, erst einmal ankommen und Urlaub machen ist sicherlich nicht die schlechteste Idee. Ihr habt einiges hinter euch. Ab jetzt wird alles entspannter und die Dinge nehmen einen positiven Verlauf. Da bin ich sicher. Eine spannende Reise wünsche ich euch.

  17. Klaus

    Was soll ich sagen. Meine Vorahnung hat gepasst. Toller Bericht. Besonders die Einblicke hinsichtlich eurer Logistik feiere ich.

  18. Ralph

    Wir wünschen Euch viel Erfolg und Gesundheit. Einen Teil des Weges kenne ich aus meiner Fahrenszeit bei Laeisz. Sehr spannend.

    Ralph Bromann und Ruth Kumpernatz

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